"… in das grenzenlose zu mir zurück" (else lasker-schüler)

von der demut

wir tragen den jahren nichts nach. dort, wo uns steine im weg liegen, lassen wir unsere päckchen zurück. wenn die hände erst einmal frei sind, schlupfen wir endlich in unser schönstes seelenkleid. die jahre halten uns nicht fest. streicheln uns nur zart über die wange.

wir runden das rad der erfundenen zeit. kleine, unbeholfene geste. die ewigkeit holpert sich doch in unsere schritte. wie laut unser atem ist in der stille. ein regelmäßiges ja zum leben. wozu dann das winden, wenn es hinauf geht in die höhen, hinab in die abgründe? wer sagte, dass da kein gras mehr wüchse, war ein lügner und wusste es nicht besser.

auf lichtungen moosen wir uns die gedankenspiralen aus, bis die jahre knirschen im gehölz. wir runden uns. kleine, beherzte geste. streifen uns baumringe über. unsere bonbonpapierkronen verwachsen mit dem himmel, teilen wir uns die jahre in wolkenhappen ein. reiben uns schnee und regen, sonne und wind in die haut. wir grünen und welken und neigen unser haupt in demut.

wir eilen nicht mehr, sind baumzeitloses wilderweichen. sind der fels, den gott auf die erde warf. um uns herum rauschen die jahre und wir tauchen unsere hände hinein. sie finden sich und lösen sich wie wellen und ufer. wir rollen uns von der lichtung in die wasser. treiben mit, so buntbewegte fäden im lichtwellentanz und ruhen doch wie der abendsonnenstrahl in uns. mit den jahren tragen wir uns selbst und einander nicht nach.

schau, die seerose blüht. wenn wir nur ein leben lang eine blüte studierten und bewunderten, wir hätten genug getan.

Comments on: "von der demut" (1)

  1. Schön.

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