"… in das grenzenlose zu mir zurück" (else lasker-schüler)

vom wiederkehren

mitten im nebel stellt sie eine tasche auf die rückbank. autotüren knallen, der motor startet. sie ist in sich zuhause. unter den reifen am rand des universums knirscht frost. die straßen schillern noch für eine weile von cd-scheiben, die rehe fernhalten sollen. sie scheut auf und überschreitet doch die grenze nach norden.

sie reist an den anderen rand des universums. dort liegt eine in eine walfischrippe geschmiegt und atmet aus, atmet ein und ist in sich zuhause. nebelfrau lässt sich von fensterblicken geschichten über den winter erzählen. die wale singen ihr den weg durch den schneesturm.

walfischrippenfrau hört die wale, dort, wo sonnen sich einst in ihr verflochten. sie schmiegt sich weiter noch in sich und lauscht nach innen. es gibt bestimmte gesänge, die alle zeitenlosung überdauern.

der motor kommt zur ruhe. autotüren knallen. mitten im nebel nimmt sie eine tasche von der rückbank. nebelfrau scheut nichts mehr und steigt über mondsteinschollen an verstreuten rippen entlang.

am äußersten rand des universums zittert walfischrippenfrau auf vor zärtlichkeit, weil sie nebelfraus schritte unter allen erkennt. sie hebt den blick in das wunder und geht ihm entgegen.

am rand des universums bauscht der raum sein vlies und dehnt sich. zwei sind in sich zuhause wieder beieinander angekommen. sie schmiegen sich still bauch an bauch weit in den raum hinein. nebelsonne flicht ihre hände ineinander und ihre augen singen walen gleich.

manche traumbilder kehren wieder in die wirklichkeit, wenn man ihnen das federkleid überstreift, manche werden nie mehr gesehen. und zwischen den rändern des universums überdauert der gesang der wale wechselnde landschaften.

Comments on: "vom wiederkehren" (2)

  1. Ein wunderschönes, stimmungsvolles Bild, was sich mir da gerade auftat. Ich habe es mir selbst gleich einmal “laut” und langsam rezitiert (mache ich immer, wenn mir etwas gefällt). Derartige “Schauen” eröffnen sich mir recht häufig im Schlaf, und da sich Ihr Stil sehr gut dazu eignet, Eindrücke aus solch “unbewussten Realitäten” in Worte zu fassen,” sollte ich es auch einmal versuchen. Das wäre auch für mich wieder mal ein ganz anderes “Schreib-Terrain” wäre – ich hatte zuletzt Anfang der Siebziger einmal etwas Ähnliches versucht… Gruß, Volker Carl Jacoby

  2. lieber volker carl jacoby,

    machen sie es einfach und lassen sich von sich überraschen!
    sie haben auch richtig vermutet, die inspiration stammt aus einem traum, einem luziden. inklusive düften und walhaut der einen frau, die sich auch so anfühlte.

    was von träumen in die wirklichkeit wiederkehrt oder ob die wirklichkeit in wahrheit der traum ist, wer weiß das schon? damit mit worten zu spielen, macht mir jedenfalls viel vergnügen.

    ihnen wünsche ich das auch beim wiederentdecken von anderen terrains.

    herzlich,
    lilith

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