"… in das grenzenlose zu mir zurück" (else lasker-schüler)

dann würde ich sagen, dass turmaline verschiedene farben haben, je nachdem, aus welchem blickwinkel wir sie betrachten. dann würde ich schweigen und lange mit den händen im gedankenfluss fischen.

ich würde einiges hochholen: den leckstein von der wilden wiese, diverse scherben aus glas und porzellan, einen schuh, der nicht passt, diese kiste, sicher voll pappmaschee aus nie geschriebenen zeilen. den zauberwürfel, selbstverständlich ungelöst, die selbstgeschnitzte flitsche aus kindertagen, tiefe blicke und manche hand, die meine einst hielt. noch den klang des liedes im ohr (wie heißt es noch gleich?), würde ich alles in meinen händen drehen und wenden und es maude gleich zurückwerfen in die wasser.
ich bin reich beschenkt und weiß, wo das ist, was ich losgelassen.

vielleicht würde ich manchen zu lange schweigen, ich schweife dabei immer so ab in mir und komme der welt doch nie abhanden.
eine alte gabel, sicher kein silber — aber schön — , liegt im weg am fluss. nicht mehr auf, dafür liegt sie zu lange da, dafür ging zu viel schon den weg entlang. ganz eingebettet liegt sie da, wo sie nicht hingehört und doch. so ist das mit mir und der welt, würde ich denken und schon würde der gedanke zu den anderen zurück in den fluss plumpsen.

wenn ich dann immer noch etwas sagen müsste, würde ich sagen, dass jeder einen eigenen púca in sich trägt, der alle weisheit zu erinnern vermag. und dass schwanengesänge nicht in jedem fall von einem ende künden, aber immer von wandlung. zum schluss würde ich noch sagen, dass mit den jahren das ja dazu wächst, dass alles kommt und geht und der wunsch, dass etwas bliebe, begreift, dass er sich stets erfüllt. und da ich ja nichts sagen muss, bin ich so frei, es zu tun.

dann schweige ich wieder und fische manchmal mit den händen im fluss und schweife sehr weit ab in mir und wohl noch eine weile lächle ich mit einer träne im augenwinkel, denn dualitäten sind aus.

~
ein gefäß bin ich
ob aus steinzeug aus kristall
weiß nur der mich leert und füllt
der über den rand schwappt
was früchten gleicht

~
brich mit mir die sprache auf
wie granatapfelkerne dann
liegt es in unserer hand

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Kommentare zu: "wenn ich etwas sagen müsste," (3)

  1. Armin schrieb:

    der wunsch, dass etwas bliebe, und der wunsch, dass endlich etwas kommen möge, das langersehnte, nie zu träumen gewagte, für das es keine worte gibt. und ich wünschte, ich hätte die freiheit, nichts mehr sagen müssen zu wollen, denn die dualitäten sind aus und überall.

    die störche haben den sturm überstanden und klappern wieder, ein huhn tut aufgeregt gackernd sein gelegtes ei kund und eine amsel beschimpft heftig zickend die katze unter dem kirschbaum …

    wie schön, wieder von dir zu hören, poetin.
    liebe grüße,

    Armin

  2. lieber armin,
    nimm dir die freiheit, sie liegt ja in dir.
    den gefiederten und gefellten und dir
    einen herzgruß,
    poetin/lilith

  3. „wo sie nicht hingehört und doch. so ist das mit mir und der welt“

    wie viel frieden so ein paar worte geben können. dankeschön.

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