"… in das grenzenlose zu mir zurück" (else lasker-schüler)

heimat

(für jm)

chez moiwie klar man haben kann, was der weg ist, wie beinahe trotzig man sich manchmal nicht über seine scheinbaren grenzen wagt — faszinosum mensch.

ich schrieb schon immer aus diesem oder jenem exil. als ich in mir heimat fand, verschwand das exil nicht, ich gab ihm nur klarere worte. was manches mal so unruhig greint mir in der brust, ich geb’s meiner seel‘ zum wiegen. akzeptiere, dass ich keinen berg zu erklimmen brauche, sondern nur den hügel weiter hochzugleiten.

ich verstand, dass sich etwas in mir immer mal wehren kann gegen das, was ist, und ich dennoch geborgen bin darin. dass ich mich wie ein trotziges kind im arm versteifen kann und es doch meine eigenen hände sind, die mich fest und bestimmt halten. die mich tragen, bis alle anspannung sich wieder löst. mit mich halten bis zum steinerweichen und allem aufbäumen darin gebe ich mich dem hin, was man leben nennt.

der große träumer nickt mir zu, schreib weiter, junge, schreib weiter. als ich ihn frage, was heimat ist, lacht er. dann sagt er: »frag‘ dich gefälligst selbst: „wer bin ich“?« ich muss grinsen. das beben, das greifen nach worten für das, was keine worte kennt, die furcht, mich im all-einen aufzulösen und davor, was das wohl bedeutete, alles wird leiser in mir. es ist nicht sofort weg, aber ich, ich bin da. ich sitze ganz ruhig inmitten einer vibrierenden kugel inmitten anderer vibrierender kugeln. staub fliegt auf, setzt sich und wirbelt wieder auf, nur um sich dann wieder zu setzen. so einfach ist das. ich brauche gar nicht selbst zu wirbeln. kann mich auflösen und auch nicht. so einfach ist das. und dann bin ich still.

manchmal schuckel ich meine kugel sogar, nur um zu sehen, wie ruhig ich dasitzen kann im schneestaubgestöber dieses universums. manchmal ditscht meine kugel an eine andere kugel, mal eine andere an meine. früher wankte ich dann so sehr, dass sich der staub nicht setzen konnte oder seinen weg zurück nicht fand, wenn er wieder aufgewirbelt war. dann drifteten die kugeln vom staub verweht wieder auseinander. manchmal begegneten sie sich auch wieder und blieben dann verbunden, weil sich beide gefragt haben, wer sie sind.

stoßen nun zwei kugeln aneinander und sitzen die in ihren kugeln schon gleich ruhig da, dann hat der staub von beginn an einen ort. da kann er drauf niedersinken, mit jedem wind hochsteigen und wieder zu ihm zurückkehren. da verweht nichts und verstellt die sicht. jetzt und hier sitze ich so hingegeben inmitten der kugel, dass ich zugleich an der liane rüber zu jane schwingen kann. ich bringe ihr zwei handvoll staubgemisch aus unser beider kugeln und sage: »ich heimat, du heimat.«

wenn wir dabei ganz still sind, können jane und ich den großen träumer mit uns lachen hören und schicken jeden gedanken mit einem „chattanooga choo choo“ zurück in den fluss.

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