"… in das grenzenlose zu mir zurück" (else lasker-schüler)

meine sicht der dinge. kann man auch so oder ähnlich sehen, muss man selbstverständlich nicht.

wie witze auf twitter funktionieren

der unterschied zwischen sprüchen auf twitter und den blöden phänomenen in kneipen oder bei familienfeiern ist nicht nur winzig, er ist oft gar nicht vorhanden. zoten, dissen, lästern, jammern, das kommt gut an, wird gern mit 50ern oder 100ern banaler sternchen scheingeadelt.

wer da nicht lacht, wo alle lachen, der ist halt ein moralischer spießer. das sagt man dann laut und bekommt noch ein paar schulterklopfer dazu. die extra-locker-flockig-lässigen, berufsmäßigen „get a life, it’s just twitter“-rufer sind dann auch nicht mehr weit. twitter ist gefälligt nie ernstzunehmen, alles nur ein riesengroßer spaßhaufen hier, das richtige leben findet woanders statt. wer sich getroffen fühlt, kann ja weglesen, egal, mit wie vielen rt einem mancher scheiß in die eigene tl gespült wird.

spätestens jetzt muss auch ich lachen. solche argumente kommen von menschen, die sich des applauses anderer gewiss sind. die vielleicht auch keine oder kaum persönliche bindungen über dieses  – achtung! – soziale netzwerk zulassen. es sind argumente, die alles glatt- und niederbügeln und eine sachliche auseinandersetzung schier unmöglich machen wollen. logisch, denn es ist ja nur twitter, ich vergaß.

witze fordern gruppenzugehörigkeit oder setzen sie voraus, sei es, indem sie sie überhaupt erst konstruieren. das machen menschen so, diese herdentiere, die sich gern als einsame inseln stilisieren. gruppenprozesse sind faszinierend und für mich oft einfach nur ätzend. ätzend wird es dann, wenn gruppen oder einzelne für sich freiheiten reklamieren und sie anderen gruppen oder einzelnen nicht zugestehen wollen.

da schreibt z.b. jemand den gefühlt millionsten ach-so-witzigen spruch über dicke frauen. er bekommt reaktionen, wie unpassend das sei und löscht den tweet oder auch nicht. oft schiebt er etwas pikiertes auf die reaktion hinterher, das wieder auf die bewitzelte gruppe eindrischt und den kommentatoren direkt oder indirekt moralapostelhaftigkeit oder schlicht humorlosigkeit unterstellt. manche kommentatoren wiederum wahren ebenfalls keinen anstand in der weise, wie sie auf den witz reagieren. in der form und mit diversen themen täglich mehrfach auf twitter zu lesen, ich schenke mir konkrete beispiele, diese erfahrung zu belegen.

witzbeispiele

es gibt viele, die nichts dabei finden, witze über alles und jeden zu machen. egal, wie ausgelutscht ein witzthema ist, das menschliche unbewusste zeigt schon, wo der hammer hängt. witze über primäre und sekundäre geschlechtsmerkmale sind für viele erwachsene immer noch genauso „hihi!“ wie zu kinder- und pubertätszeiten. mensch ist aufgeklärt und mit medialem sexverständnis zugedröhnt, aber je lauter er schreit, wie unverkrampft er mit all dem umgehen könne, desto weniger bin ich geneigt, ihm das zu glauben.

dagegen haben die ebenfalls millionenfachen behauptungen, wie sehr man sich mit alkohol zuschütte und sein leben, das oft scheiße sei, aber man habe alles wunderbarstens im griff, noch richtiggehend charme und vor allem selbstironie. nur mit dem verstehen, dass man einsamkeitsgefühle nicht mit dem warten auf mr. und ms. right, die es nicht gibt, loswird und einen niemand retten wird außer man selbst, hapert es zuweilen. aber da hat jeder sein eigenes lerntempo und das braucht auch sogar viel mut, zu zeigen, dass man den mut, illusionen loszulassen, noch nicht hat und dazu zu stehen, was man sich grad erträumt. das dann auch noch humorvoll zu verpacken, chapeau. da habe ich hochachtung, auch wenn mir vieles von dem beschriebenen im eigenen leben fremd geworden ist.

witze über randgruppen sind auch prima. da kann man sich so richtig schön luft machen vom druck, den die gesellschaft und die peergroup so auf einen ausüben. man kann sich als weiße-socken-in-sandalen-tragender mann mal fix rächen und geschminkte frauen dissen. oder als mama mit grauer haut vom wenigen schlaf ein wenig über die tussi mit den french nails herziehen. hässliche wichte erheben sich über matronen, matronen beißen männerklischees. arbeitsbienen schweben über menschen, die nicht im buckelsystem mitmischen, selbstständige lachen über angestellte. berliner ziehen die augenbraue über landeier hoch und landeier bewerfen hipster mit tomaten. gesunde hauen auf kranke ein, lebenspragmatiker auf emos, depressive auf die welt, zyniker auf alles und jeden. die menschen mit selbsthass und der zelebrierung desselben nicht zu vergessen. von weltanschaulichen, politischen und religiösen witzdebakeln schweige ich hier.

beispiele gibt es unzählige. und streng nach definition des witzes und auch nach freuds verständnis seiner funktion geht sicher das meiste auf twitter als witz durch. und weil man ja so gefangen in seinem alltagskorsett ist, was man, wenn, nur kokett zugibt, lacht man über diese witze und besternt sie. leitet sie weiter, damit auch jeder sieht, was für einen tollen humor man selbst hat. haben wir gelacht, haha.

das haben wir schon immer so gemacht, das machen wir noch mal. und immerhin besser, man leitet seine affekte in einen witz und was man dafür hält, als die tüddeloma vor einem an der kasse wirklich anzubrüllen oder dem zugnachbarn eine zu schallern oder mit einem realen spruch kieferbruch zu riskieren. schwupps, ist das leben wieder ein stück leichter, man hat sich ausgekotzt und twitter sei dank gibt es auch noch genug andere, die freudig mitkötzeln und applaus spenden.

eine geheimform des witzes

wieso ich hier so rante? weil mir diese art der witze unendlich dröge geworden ist. weil mich langweilt, dass menschen dazu neigen, ihr ego zu polieren und den bequemsten weg dafür darin sehen, sich über andere menschen zu erheben, sich von ihnen abzugrenzen. spätestens jetzt höre ich einige leser innerlich rufen: „tschakka, ich hab das killerargument, die erhebt sich ja grad selbst über sprücheklopper und disser.“ berechtiger einwand, würde ich antworten. schlauer wäre sicher, meine klappe zu halten. aber manchmal geht das nicht, da muss was raus. eure freiheit, andere niederzumachen im kleid des „harmlosen“ witzes und meine freiheit, euch zu sagen, dass ich mich unsagbar freuen würde, wenn es nicht derart häufig auf twitter und sonstwo anzutreffen wäre.

es gibt noch eine form des witzes, die möglich ist und ich verstehe nicht, wieso sie so selten genutzt wird. man kann sachverhalte und emotionen, psychologische phänomene, körper und ihre gebrechen, laster, sogenanntes fehlverhalten und was weiß ich humorvoll betrachten, ohne sich über andere menschen zu stellen. es ist möglich, respektvoll und achtsam miteinander umzugehen. immer. das ist keine frage der situation, sondern der inneren haltung, die sich im handeln außen zeigt. und richtig geraten, auch ich kann das (noch) nicht jederzeit. aber ich habe ein vertrauen darin, dass das möglich ist. und das potenzial dazu sehe ich auch. denn die meisten derer, die für mein empfinden immer mal derbe entgleisen, haben auch ganz andere seiten in sich, die mich aufs schönste sehr berühren können.

umgang miteinander, quo vadis?

letztlich lande ich immer beim selben thema. ich sehne mich nach einer welt voller menschen, die sich trauen, ihr herz so weit zu öffnen, dass alles, alles raum darin hat. voller menschen, die liebevoll miteinander umgehen, ob sie sich fremde sind oder nah. menschen, die sich durch und durch erinnern, dass es genügt, dass sie sind und die kein „feini gemacht“ brauchen. wir brauchen anerkennung in form von spiegelung und rückmeldung, unbestritten. aber wenn ich jemandem dafür applaudiere, dass er grad die beinharte rotznase gegeben hat, was sage ich diesem menschen damit?

da weigert sich alles in mir, bisweilen regt sich auch mein zorn. dann möchte ich hingehen und diesen menschen schütteln und ihm sagen, er soll gefälligst die augen aufmachen und endlich, endlich begreifen, dass er schon längst perfekt und liebenswürdig in diese welt geworfen wurde. dass er gar nicht so mätzchen zu machen braucht, die nur dazu dienen, sich gegenseitig was vorzumachen, damit man dann wieder jammern kann, dass einen keiner verstünde und man nicht geliebt würde.

nur, das brächte auch nichts. ganz manchmal kann zorn hilfreich sein, er wirkt wie ein schockmoment. rüttelt kurz wach. bei einigen wenigen vielleicht sogar dauerhaft. zorn ist auch gut, um den eigenen dampf loszuwerden. mich hat zorn, der mir entgegengebracht wurde, immer sehr erschreckt. und gebracht hat er nichts, außer, dass ich bockig wurde oder innerlich erstarrte.

wenn ich das ernst meine mit dem herzen, das sich so weit öffnet, dass alles, alles raum darin hat, dann bin ich ganz anders gefordert. dann kann ich nach einem moment des aufgewühltseins über sprüche, die ich als nicht respektvoll empfinde, mich wieder beruhigen. kann das ringen der witzemacher sehen, einen platz in dieser welt zu finden und ihr unbewusstes festhalten an dem glauben, man habe sich hier in diesem leben irgendwas mit leistung zu verdienen und zu verteidigen. kann mich in ihnen sehen, die an anderen punkten im leben genau die gleichen symptome anders ausagiert. kann andere ihre sprüche weiter machen lassen und in den meisten fällen meinen zorn verpuffen lassen und höflich nachfragen oder sogar dazu schweigen.

„qui tacet consentire videtur.“ hat mal ein mensch gesagt, der zufällig auch papst war. „wer schweigt, scheint zuzustimmen.“ und da liegt der hase im pfeffer.  wenn ich zu aussagen, mit denen menschen sich über andere erheben und das womöglich noch als „ist ja nur eine beobachtung, keinesfalls eine wertung“ oder „ist ja nur ein witz, ist doch harmlos, komm mal runter“ tarnen, schweige, so stimme ich noch lange nicht der aussage zu. ich stimme maximal dem recht des anderen auf seine freiheit zu, sein ego auf diese weise zu polieren, wenn er denn meint, das unbedingt so zu brauchen.

mut zur zärtlichkeit

mit einem text wie diesem mache ich mich angreifbar. mit schweigen auch, aber ich mache es nicht so sichtbar wie jetzt. manchmal aber ist es wichtig, sich sichtbar zu machen. manchmal braucht es das, denen die arme weit geöffnet anzubieten, die einen persönlich oder indem sie einen in eine definierte gruppe stecken niederzumachen versuchen, ohne ihr tun wirklich tief genug zu reflektieren.

letzlich ist es nicht möglich, sich wirklich über einen anderen menschen zu erheben. insofern ist auch jeder, der sich durch etwas verletzt fühlt, das andere sagen, tun oder lassen, gefordert. in der tiefe zu begreifen, dass wir etwas in uns tragen, was immun gegen pipifax und kindergartenkackverhalten ist, ist aufgabe beider seiten. derer, die dissen und derer, die sich gedisst fühlen.

wenn wir zulassen, dass wir groß sind, liebenswert und liebevoll, dann steht da niemand und ist bereit, einem die kehle mit worten durchzuschneiden oder mit hinterhältigkeiten einem ein bein zu stellen. vielleicht sehen wir sogar immer noch andere so dastehen oder finden uns selbst zuweilen in dieser position wieder. aber das kann uns dann nichts anhaben.

wir können, wenn wir üben, uns zu erinnern, bevor wir immer einfach alles rauspoltern, jenen in die augen sehen ohne furcht, ihnen die hände reichen und sie umarmen. das muss nicht physisch geschehen, beileibe nicht. es ist wie so oft zuerst eine frage der inneren haltung.  in uns liegt freiheit. wer sie findet, kann sich und andere achten und diese freiheit auch auf vielfältige weise im außen zeigen. ich wünsche uns allen mut zur zärtlichkeit. für uns selbst und alle anderen. ausdrücklich auch jene mitmeinend, denen oft (aus welchen motiven auch immer) egal ist, in was für einer welt sie leben und wie die menschen darin miteinander umgehen.

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Kommentare zu: "von witzen und zärtlichkeit" (9)

  1. cosima1973 schrieb:

    Eine Welt voller offener Herzen und Mitgefühl, das wäre eine wunderbare Welt. Es wäre eine Welt, in der jeder seinen Platz hätte, ungeachtet seines Status, seines Aussehens, seiner Talente – einfach weil er ist. Ist, wie er ist, was er ist, einfach ist. Leider sind wir von so einer Welt weit entfernt. Der ständige Kampf, die ständige Selbstbehauptung. Jeder will an die Macht und die andern sollen unten sein. Macht hat, wer die meisten Zusprüche kriegt, der, welcher oben auf schwimmt. Er ist Leader, die andern folgen. Die Mittel zum Lead sind egal, man nimmt, was zieht. Bei Twitter die Coolness, das auf andere einschlagen verbal. Grenzen gibt es kaum, immer doller, immer oller, scheint mir oft.

    Wer würde nicht gerne dazu gehören. Sitzt da, denkt sich seines und ist schon damit aussen vor. Und ab und an ist es einsam da draussen. Man mag zwar die Mittel nicht mögen, mag sie gar anstössig finden, weil sie dem eigenen Wunsch von Harmonie und Miteinander, vor allem von Fairness widersprechen. Und doch sitzt der grosse Teil der anderen in dem Pool drin und das Randschwimmen ist doch seicht und still.

    Ist man besser am Rand? Ist man schlecht in der Mitte? Es ist wohl beides zu verneinen. Es ist die menschliche Sehnsucht nach Gesellschaft. Und jeder geht anders damit um. Die einen wünschen sich die Gesellschaft so, wie sie nach ihren Vorstellungen gut und richtig wäre, die anderen nehmen sie, wie sie sich kriegen können. Ich denke auch – nur meine Meinung – dass der zweite Weg nicht der richtige ist, argumentiert man ethisch. Nur führt er zum kurzfristigen Ziel. Und macht – vordergründig – Spass. Das reicht. Die wenigen stillen Momente, in denen man sich besinnt, gehen vorüber, man ist wieder im Getümmel und da mittendrin. Eine Welt mit offenen Herzen wird es so nie mehr geben, denn alle machen ihre noch mehr zu, damit sie nicht merken, was sie selber tun und was mit ihnen geschieht. Und die, welche sie ab und zu öffnen und den Schmerz fühlen, die schwimmen am Rand. Schauen ab und an sehnsüchtig zum grossen Pool. Und ziehen wieder weiter die Runden.

    Eine Lösung habe ich auch nicht. Vermutlich auch nur wirr geschrieben, was mir grad so durch den Kopf düste. Auf alle Fälle sehr schöner, sehr nachdenklicher und zum Nachdenken anregender Blog.

  2. @cosima73
    danke für deine sicht der dinge. ich kann dich nachvollziehen und verstehen und plädiere auf grund eigener erfahrungen inzwischen jedoch genau anders. es scheint so zu sein, wie du schreibst und schaut man sich die dinge an, wirkt es auch genau so. aber ich vermeine auch, eine müdigkeit darin wahrzunehmen, die immer größer wird. bei jenen, die macht ausüben und jenen, die sich am rand von was auch immer emfpinden.

    ich erlebe seit einigen jahren immer mehr menschen, die wie mit einem tiefen aufseufzen die beschriebenen muster durchbrechen und anderes wagen, sich besinnen und sich und andere zu lieben wagen.

  3. cosima1973 schrieb:

    Die anderen gibt es, ja, ob sie mehr werden oder man sie nur besser wahr nimmt, weil man mehr darauf achtet, sich selber mehr distanziert von den anderen im Teich, weiss ich nicht. Ob die, welche im Teich sind und Witze machen müde sind, weiss ich auch nicht. Die Welt war nie harmlos, sie war nie sanft und mild. ZU jeder Zeit dachte man, in der schlimmst möglichen Zeit zu leben, in der die Grenzen sich verschoben haben. Immer dachte man, früher sei alles besser gewesen, heute sei es grausam. Grundsätzlich hat es wohl immer etwa gleich viel Grauen und Gutes in der Welt, es verlagert sich nur ständig. Und unterm Strich bleib ein Gleichgewicht – irgendwie. Das empfindet man nicht als Gleichgewicht, weil man andere Gewichtungen möchte, aber es ist eines in dem Sinne, als es von der Verteilung stabil ist.

    Mir scheinen noch immer die Machthungrigen in der Überzahl. Ich für mich habe mich davon lösen können und meinen Weg gefunden, damit umzugehen. Ab und an ertappe ich mich aber doch dabei, zu denken, ihr Weg ist der normale, meiner ist nicht richtig. Und möchte dazu gehören, mache Anstrengungen. Um dann bald zu merken: Das ist nicht mein Weg. Ich bin nicht so und kann und will so nicht leben. Und gehe wieder zurück in meine Schiene. Da bin ich glücklich, da kann ich sein. Für mich und mein Leben habe ich gemerkt, dass jeder nur die Macht über mich hat, die ich ihm gebe. Oft gebe ich zu viel, vor allem dann, wenn es mir nicht gut tut. Seine eigenen Grenzen zu finden, das finde ich das Spannendste, aber auch das Schwerste. Das hat bei mir Jahre gebraucht, vielleicht sind andere einfach schneller oder mehr von sich selber überzeugt. Ich gönne es jedem.

  4. das mit dem gleichgewicht und auch, dass man es nicht immerzu als solches wahrnimmt, da gehe ich d’accord. und du sagst es: die eigenen grenzen finden und sie auch zu setzen, das ist nicht leicht. abzuwägen, wie viel macht man einem anderen über sich selbst zugesteht.

    mir ist auf meinem weg ein unerschöpflicher erfahrungsschatz, die welt mit zen-augen anzuschauen. das fordert mich permanent heraus, gewohnte denkstrukturen zu durchbrechen, gedanken loszulassen, konzepte wie dualität, zeit und raum, körper, geist, herz und seele, grenzen, illusionen, ego, bewusstheit und unbewusstheit, wirklichkeit und traum zu hinterfragen. zen stellt zudem meine gesamte sprache in frage, mein ganzes sein und fügt auf wunderbare und wenn man so will, beinahe zwingende, logische weise mich zu einem ganzen im all-einen und zum all-einen im ganzen.

    das universum oder wie auch immer es jemand nennen mag, drückt sich auf verschiedenste weise in allem, auch uns menschen, aus. es erfährt sich selbst, weist in seinem ausdruck dessen, was ist immer auch über den ausdruck selbst hinaus auf das, was ist. mehr und spannender ist es vielleicht auch nicht. und genau deshalb wiederum so unfassbar spannend und von einer paradoxen ordnung, die einem das gehirn wegzupusten versteht. und ein jeder von uns ist teil des ganzen und das ganze im teil. damals, heute, morgen. immerjetzt.

    es ist, was es ist. es ist, wie es ist.

  5. Liebe Poetin,
    ich stimme Dir sehr zu, sowohl in Deiner Bewertung dieser oft unerträglichen Witzeleien als auch in der Ansicht, dass man sie nicht (immer) unerwidert stehen lassen kann. Ob eine solche Erwiderung dann auch ankommt und etwas bewirkt, steht nochmal auf einem anderen Blatt, aber es ist für die eigene Integrität wichtig, Respekt für sich selbst und andere einzufordern, immer wieder. Es gibt da ja verschiedene Möglichkeiten, die direkte Antwort auf den entsprechenden Tweet ist im Einzelfall sicher die wirksamste. Aber auch solche Texte wie Deiner hier können eine Wirkung entfalten, vor allem durch Wiederholung und Verfielfältigung.
    Was die Favs und das Dazugehörenwollen betrifft, habe ich eine eher abgeklärte Sicht.
    Favs sind mir, jedenfalls was die Anzahl betrifft, völlig gleichgültig. Sie freuen mich im Einzelnen, vor allem, wenn sie von Menschen kommen, die ich schätze, und natürlich freut mich manchmal auch zu sehen, dass eine bestimmte Sicht anscheinend von mehreren Menschen geteilt wird. Aber wichtig als Bestätigung meiner Person sind sie mir nicht. Und was ist denn das für ein Ruhm, auf dem Leaderbord zu stehen? Nein, lächerlich finde ich das.
    Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder zu wenigen einzelnen Menschen lässt sich auch in einer Nische erleben und da vielleicht sogar echter. Was soll denn die Masse bringen?
    Also wie gesagt, ich bin sehr Deiner Meinung und freue mich, dass Du immer wieder Texte in dieser Richtung veröffentlichst.
    Herzlich, Iris

  6. liebe iris,
    eine wirkung hat eine direkte entgegnung oder ein text wie dieser immer, finde ich. ich glaube auch daran, dass beides fähig ist, etwas in bewegung zu setzen, das zu einer veränderung hin zu mehr liebe führt. wann und wie sich das zeigt, ob ich das mitbekomme und ob es noch mehr solcher tropfen wasser auf heiße steine braucht, das kann ich alles nicht beeinflussen.
    hingabe an das, was ist, bedeutet jedenfalls nicht immer, die füße still zu halten und nicht zu agieren oder nicht zu reagieren. das ist das, was ich bei dir im ausdruck integrität wiederfinde.
    was die favs angeht, so teile ich deine haltung. ich mag sie sehr als zeichen, das geschätzte wesen etwas von mir gelesen haben, sie an mich denken, mich damit grüßen, umarmen, necken. alles andere ist schall und rauch.
    was die masse bringen soll? ich sehe, was du sagst und mag doch einwerfen: im besten falle erinnert uns die masse daran, dass man auch in einer nische immer teil von ihr ist und dass wir gut daran tun, das mit liebe zu betrachten.
    herzgruß
    lilith (poetin)

  7. preaching the saved? die deine worte hier lesen, da sind nicht die, welche sie betreffen. die welche sie lesen, die betreffen sie nicht. und die frage, warum du nicht konsequent alle aus deiner timeline entfernst, die dir unangenehmen ton und witze pflegen und alle dazu, die solches in sie retweeten, die bleibt erlaubt? denn im gegensatz zu facebook ist es nun keinerlei problem sich bei twitter mittels folgen und entfolgen in angenehme gesellschaft zu bringen und die öde zu entfernen? dieses privileg hat man nicht mal im kreis der familie und selbst im freundeskreis ist man öfter doch überrascht, welche toleranz man gegenüber äußerungen zu üben bereit ist, die einen auf twitter empörten? ich denke zb an den bodensatz an linkem kryptoantisemitismusm, den das miese und verleumderische israelmachwerk von günther grass vor einigen monaten hier und auch im freundes- und bekanntenkreis zeitigte.
    du möchtest aber nur „studien“ treiben, an den leuten mit den verdrückten witzchen über sexualiatät, minderheiten etc? diese dinge sind gut erforscht und dokumentiert und braucht man twitter wirklich, um zu wissen wie ein großteil der menschen „argumentiert“ und daherredet?
    karl kraus zählte zu den schärfsten waffen seiner polemik, die methode „zitate statt parodie“ und die empfehle ich dir auch, damit die zurkenntnisnahme des elends einen sinn hätte:
    schreibe hier in deinem blog die übelsten sprüche nieder, mit angabe des accountnamens und benachrichtige die urheber davon. mal ganz davon abgesehen, daß konsequente und harte polemik gegenüber verbalen übeltätern auf twitter durchaus auch solidarität auf sich lenkt, wie ich in meiner mehrtägigen auseinandersetzung mit günter grass´ kryptoantisemtischem machwerk feststelle. welches im übrigen beweist, daß stammtischparolen auch von nobelpreisträgern kommen können, die selbstgerecht ihre waffen-ss-mitglidschaft verschwiegen, aber andre für solches schweigen anprangerten. moral ist nämlich keine frage der bildung. siehe auch gottfried benn oder heidegger, 1933…

  8. @meleksgrafitto danke für deine sicht der dinge.
    woher beziehst du die sicherheit, dass niemand den es betrifft, den text liest? der text findet zu menschen und wird dort wirken, wie auch immer. mehr brauche ich nicht zu wissen.

    wenn du den text genau liest, weißt du, dass es mir eben nicht darum geht, studien zu betreiben, sondern darum, mein herz zu öffnen. ich lese in meiner timeline die verschiedensten menschen, die ich für ihr so-sein schätze, selbst wenn es nicht immer meinem persönlichen wunsch vom umgang miteinander entspricht. ich entfolge nicht einfach, weil mir eine andere meinung nicht passt. und menschen, die dauerentgleisen, lese ich in der tat nicht. ich weiß, dass es sie gibt, das genügt mir.

    so sehr ich karl kraus und sein werk schätze, ich bin nicht er. ich halte überhaupt nichts davon, andere menschen bloßzustellen. das hat für mich nichts mit achtsamkeit zu tun. mal abgesehen davon, dass sich die meisten eh selbst bloßstellen und ich das nicht tun möchte, bedeutet das nicht, dass ich gutheiße, was jemand tut oder lässt. aber auch das habe ich schon im text geschrieben.
    und gruppendresche anzuzetteln… nein, danke. ich verstehe, dass menschen so handeln, aber auch das ist nicht meins. wut und zorn sind emotionen, die ich auch erlebe, aber versuche, nicht anderen zum schaden auszuagieren.

    noch eins: du kannst moral ins spiel bringen. ich mag mag moralkeulen nicht, egal aus welcher richtung sie geschwungen werden. aber das entscheidet jeder für sich selbst.
    ich sprach von achtsamkeit und zärtlichkeit. das ist ein unterschied.

  9. Selten liest man derart ehrliche und wahrhaftige Texte. Damit meine ich nicht nur diesen, sondern auch alle Anderen. Es gibt wenige, die die wirklich wichtigen Dinge erkennen, was weniger ein Lob ist, als das Bedauern um alldiejenigen, die beständig sich selbst nachrennen müssen und sich doch immer tiefer im Gestrüpp der Selbsttäuschungen verirren.
    Nichtsdestotrotz meine Hochachtung – Ich Nicht

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