"… in das grenzenlose zu mir zurück" (else lasker-schüler)

hätte, hätte, perlenkette

diesen text sollte ich jetzt gerade gar nicht schreiben. sagt wer? hätte, hätte, perlenkette. vor was ich mich alles drücken kann, wenn ich nur genug twittere und lese, was andere so twittern. da schlackern mir die ohren. und wenn ich nicht twittere, dann fällt mir noch allerlei ein. langweilig ist mir nie. ich kann bücher lesen, meditieren, spazieren gehen und kochen. ich kann mit lieben menschen telephonieren und malen und musik hören und tanzen und dabei in den schneebesen singen. ich kann einen mittagsschlaf halten und üben, in supermärkten nicht umzukippen und die kastanie vorm fenster beim wiegen beobachten. das alles ist okayhay für mich.

da warten anträge, die perfekt vorbereitet sind und nur noch ausgefüllt werden müssen. wie viele jahre die fenster nicht geputzt sind, möchte nun wirklich keiner wissen. und überhaupt gibt es noch so viel, was ich mal wieder lackieren könnte und die küche ist auch noch nicht renoviert oder der wasserhahn im bad, der ist immer noch ab. oh und die rezension, die ich mir angelacht und für die ich weder zeit noch kraft habe, so gefühlt. das alles ist okayhay für mich.

oder ich blogge. geht ja schließlich auch. irgendwas finde ich immer, um nicht das zu tun, was für mich, neben lieben und leben, den meisten mut erfordert: mein buch zu schreiben. nicht, dass ich keine ideen hätte. die reichen für so viele bücher, da muss ich noch ein paar leben auf der erde hinten dranhängen. inzwischen haben mir auch genug menschen gesagt, dass ich gut schreibe und gut genug, dass sie auch texte von mir kaufen würden. das angekratzte kinder-ego ist inzwischen recht gut verheilt. das ist es also auch nicht. was ist es dann? es ist pupseinfach. wie meistens.

pupseinfach, das will nur spielen

es heißt anhaftung, ego, wie auch immer. und ist die vielleicht größte illusion unter der sonne, die mir so spontan einfällt. das sagt, ich soll dies und ich soll das nicht. ich sei nicht gut genug für dieses und für jenes auch nicht. und auch, dass meine kreativität sich im nichtschwimmerbecken ersaufen wird, sobald ich auch nur wage, anzunehmen, ich könne ein buch mit meinen texten verkaufen. da brauche ich gar nicht erst loszuschreiben. und sollte ich wagen, darüber zu sprechen, dann wird’s aber was geben, i can tell you. der wie vielte mensch auf twitter bin ich inzwischen, der seine geistigen ergüsse für literatur hält und dementsprechend unter die leute bringen will? ich zähle lieber nicht. der spötter jedenfalls werden unzählige sein, da mache ich mir nichts vor.

manche sagen, das ego muss man kaputt machen. zerstören, loswerden. aber das ist so eine sache mit dingen, die illusionen sind. das geht nämlich gar nicht. ha. illusionen, die nimmt man am besten an die hand und mit durch den tag und durchs leben. man braucht ihnen auch keine schönen augen zu machen. die tun nichts, die wollen nur spielen. das ist wie mit sprache. die will auch nur spielen. manchmal bricht sie mir das genick, wenn ich über ihre natur nachdenke. aber das ist es, ich denke nach. führt zu nichts. ich strampele herum und wüte und tue alles, um mich vom schreiben abzuhalten. und denke, wenn ich nur nicht mehr twitterte und nicht mehr bloggte, dann aber, ja dann. denkste.

wer nicht fragt, ist nicht immer dumm

es steht und fällt alles mit der selbstliebe. bin ich es mir wert, das, was ich zu sagen habe, als sagenswürdig zu befinden? oder gar noch einen schritt weiter hinter die kulissen von bewertung und urteil zu gehen und mich nicht darum zu scheren? es braucht kein wieso im schreiben, es braucht auch kein wozu im schreiben. so, wie es für nichts ein wozu gibt – oder allenfalls jenes, dass das universum sich darin selbst erfährt.

vielleicht könnte man auch sagen, dass die liebe (diese allumfassende) sich selbst begegnen will. sie sucht sich dazu alle möglichen denkbaren und undenkbaren formen. und in meinem fall steht sie seit ich vier jahre alt war und meinen namen schreiben konnte, hinter mir auf dem sprungturm, oben auf dem 10-m-brett und fordert mich auf. sie fordert mich auf, worte für sie, für das unsagbare zu finden. und ich stottere seitdem durchs leben und mache mir so meine gedanken.

das ist derzeit vorbei. mein gehirn ist geplatzt. es hat die liebe geschaut. das, was ist und uns alle verbindet. nix eso-kram. das fährt immer wieder in mich und ich will mich zerfetzen in tausend kleine papierschnipsel und mich hinunterspülen in die wasser, bis ich wieder ans licht komme und reste von mir im sonnenstrahl glitzern und darauf steht „will mich“. wie viele anläufe habe ich gemacht? wie viele angefangene textdateien gibt es von wie vielen büchern und sei es nur in meinem kopf? wie viel habe ich auf twitter und im blog verpulvert? wie viele texte habe ich aus twitter und aus dem blog wieder herausgenommen und in die schublade gepackt für wann auch immer?

was ist denn jetzt?

ich bin gern auf twitter, unbestritten, egal, wie oft ich anecke und mir alles fremd ist, genauso gibt es auch die, die mir im herzen liegen und viele, viele, die meinen geist befeuern. nur, ich glaube, im moment brauche ich mehr anderes feuer. das, was beobachtet und sichtet und sich von innen nährt und mich den stift in die hand nehmen lässt oder die tastatur. ich bin nicht die, die viel schreibt, wenn sie viel liest und twittert. ich schreibe, wenn ich in der stille bin. der stille gewahr zu sein im trubel, das gelingt mir schon öfter. aber dann auch zu schreiben, das bekomme ich kaum hin. dafür brauche ich schweigen, zuweilen sogar stöpsel im ohr. ich brauche, mich in mir ins universum zu tunken, um mit beiden händen aus der fülle allen seins schöpfen zu können. klingt romantisch, ist aber schlicht ein erfahrungswert, den ich immer neu an mein momentanes leben anpasse und der wie eine art roter faden winkt.

wie es jetzt weitergeht, ich weiß es nicht. ich weiß nichts, nicht mal, ob meine bücher geschrieben werden müssen, um zu existieren. ob ich das fremde land bereist haben muss, mit seinen verschiedenen sorten mangos, um zu wissen, wie sie schmecken. ich weiß nicht, wie ich eine sprache finden kann, die aus der stille heraus gespeist ist, die die liebe ist. ich weiß nur, drunter will ich es nicht machen. deshalb habe ich immer so gerungen, um jedes einzelne wort. und auch hier scheint es nicht darum zu gehen. es geht nicht um kämpfen und ringen und gewinnen und verlieren.

kapitulieren und dabei lächeln

es geht um kapitulation und hingabe an das, was ist. alles, was ist. mit allen wenns und ohne aber. immer fürchtete ich, mich dann aufzulösen, in abermillionen winzige teile zu zerspringen, meine identität zu verlieren. nur – vielleicht braucht es genau das. wie soll die liebe sich aus mir herausschreiben, wenn ich mich weigere, ganz in ihr aufzugehen? wer das nicht tut, kann technisch brillant schreiben, mit einem gewissen talent. aber das, was ich meine, das braucht mehr. das braucht nicht leidenschaft für’s und besessenheit vom schreiben. das braucht das unaussprechliche, das unsagbare. das braucht worte, wie geschenke eingehüllt. die man auspackt, um nichts darin zu finden und alles zu spüren. solche worte findet nicht, wer sie sucht. er mag welche finden, die ähnlich klingen und eine weile zu täuschen vermögen. worte, die für applaus genügen.

ich weiß nicht, wohin es mich führt, wohin es fließt. wie oft ich mich drücken werde vor dem, was anliegt und wieso und wozu. irgendwas ist in mir aufgebrochen, mehr kann ich euch nicht sagen. bleibt mir gewogen auf dieser reise oder auch nicht. wie es kommt, wird es gut sein und ist es längst. ich weiß grad nur, die worte wollen mehr mit mir spielen. und jedes meiner worte haue euch hochachtungvoll stille um die ohren.

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Kommentare zu: "auszüge aus einem geplatzten gehirn" (2)

  1. cosima1973 schrieb:

    Mir gerade aus der Seele geschrieben. Du stellst Fragen, die ich mir auch stelle, gibst Antworten, die mir auch kommen, wartest, auf das, was sich zeigen mag, möchtest es ab und an wohl auch schon wissen, allein, es zeigt sich noch nicht. Gute Reise wünsche ich dir – und mir.

  2. @cosima1973 _/|\_

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