"… in das grenzenlose zu mir zurück" (else lasker-schüler)

buddha in der stechmücke

buddha wohnt genauso in einer stechmücke wie in jedem von uns. niemand ist erleuchteter als ein anderer. ganz gleich, wie sehr wir uns danach sehnen, angeschaut zu werden, gelobt zu werden. egal, wie wir auch hoffen, nicht ignoriert zu werden oder dass jemand uns nicht an die angst verriete, sondern in liebe mit uns feierte.

was immer wir auch tun, um in anderer menschen gunst zu stehen, wie sehr wir flüchten vor ihrer zuneigung. wie traurig wir uns fühlen, wie wütend und zornig, wie verbohrt und ignorant und ekelpaketig und widerlich und abschaumig, wie ängstlich und spirituell und oberflächlich und billig und gutmenschlich, wie religiös, atheistisch und politisch und abgeklärt und alterhasig, wie nervig und dümmlich und grausam und zynisch und klogriffig und was weiß ich wir uns geben:

da sind keine ominösen anderen, mit denen wir nichts zu tun haben. niemand ist schlupp vom grünen stern, der durch einen ärgerlichen oder tollen zufall auf die erde und in eine horde menschen geraten ist. wir sind nur so lange außerirdisch, wie wir uns weigern, aus wachen augen zu träumen. sobald wir die illusion loslassen, dass diese welt, dieses leben, die menschen um uns herum eine egal wie geartete bringschuld uns gegenüber hätten, was bleibt dann übrig?

wir alle atmen liebe, pupsen liebe, leuchten vor liebe, machen liebe, sind liebe.

wirklich alle? – so ketzerisch es auch anmuten mag:
ja. das wir, das ich ausspreche, umfasst ausnahmslos alle menschen.
was immer sie auch tun, was immer sie auch lassen.

es ist, was es ist. seitdem ich das sehe, habe ich dieselbe gefühlspalette, dieselben emotionen wie vorher. spüre wie vorher. und doch ist alles anders, präziser, klarer. ich weiß nicht mehr, wer ich bin, wer du bist und du und du und du auch. wer wir sind und wer wir einander sind, wenn nicht liebe. ich weiß nicht mehr, wie wir anderes sein könnten als eins in all seinen bunten und unterschiedlichen ausdrucksformen.

wir können die welt welt sein lassen, wir brauchen kein tamtam, kein abgehobenes geschwafel. wir brauchen keinen ständigen glückskick, wir brauchen auch kein suhlen in angst. wir sind in der liebe. das ist, wie wenn der zeiger auf null steht und alle möglichen ausschläge in beide richtungen in sich vereint hat. da ist eine glückseligkeit, die jenseits von hormonen und botenstoffen bereit und dankbar ist, jedes gefühl, das hochkommt, zum ausdruck zu bringen. wir brauchen keine esoterischen verschwörungstheorien, keine maya- oder andere weltuntergänge. kein new age, keine religionsfanatiker und kein darben nach irgendeinem nichtirdischen paradies. keine jahre voll meditation, kein weltfremdeln, kein glauben an schuld und sühne. keine vermeintliche rettung in reiner vernunft und dem glauben an den götzen wissenschaft. aber all das können wir tun, wie wir es tun, gewiss.

wir sind frei darin, in welcher umgebung wir die augen öffnen. doch es bräuchte keinen hokuspokus um irgendwas, kein spezielles leben. nicht mal den austritt aus dem hamsterrad, niemand braucht zu gehen und nicht wiederzukehren. es braucht nur, die augen aufzumachen, immer wieder. das genügt. alles mag scheinen, wie zuvor, und zugleich sitzt kein stein mehr auf dem anderen. wir haben die freiheit, zu begreifen, dass wir nie anderes als frei sind. wir sind sogar so frei, dass wir die augen nicht aufzumachen brauchen. wir haben keine pflicht, irgendwas anderes als wir selbst zu sein: die universen sind vollgepfropft mit den wunderlichsten paradoxen und möglichkeiten und dualität ist aus.

ich bin nicht erleuchteter als du und du und du. du bist nicht erleuchteter als ihr und wir sind nicht erleuchteter als diese stechmücke oder ein stein oder ein stück holz oder das brot, das wir essen.

bin ich abgeschweift? kommt jetzt der schlusssatz? wie klingt das lachen des universums? wie laut ist stille? was bewirkt nichts?

was ist wach? was ist traum? wie viele realitäten werfen wir als imaginäre schleier über das, was ist? schmücken die menschen ihre münder schon mit kirschblüten aus? sagen wir uns womöglich längst in mangosprache das, was nicht sagbar ist? und überhaupt – wer bin ich?

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