"… in das grenzenlose zu mir zurück" (else lasker-schüler)

Archiv für November, 2012

kennen wir uns?

was lassen wir voreinander sichtbar werden? welche rollen pflegen und hätscheln wir, wo lassen wir die fassaden bröckeln? auf eine eher ungewohnte weise hat @mitnichten eine vorläufige bestandsaufnahme seines bisherigen lebens veröffentlicht und @textzicke zog auf ihrem blog nach. ich mag beide texte, empfinde sie als wohltuend dramaqueenfrei und in ihren selbstbeobachtungen nicht alltäglich. sie zu lesen führte dazu, dass auch in mir hochploppt, was ich nicht täglich von mir selbst auf dem schirm habe. und das kommt dabei heraus, wenn ich es einfach aufschreibe.

HINWEIS: wer nichts privates von mir wissen will, der lese bitte ab diesem satz einfach nicht weiter. wer weiß, dass niemand ist, was er scheint, kann getrost weiterlesen. ihr seid alle schon groß und entscheidet selbst, was ihr lest und was nicht. der text ist furchtbar lang, weil ich mich nicht gestoppt habe. ich habe aufgehört, als er zu ende war. respektvolle kommentare sind gern gesehen, etwaige nicht respektvolle kommentare schalte ich gar nicht erst frei.

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ich mag brokkoli, roh und gekocht. ich habe schon drei heiratsanträge bekommen und aber die geheiratet, der ich einen gemacht habe. ich bin nicht mehr verheiratet. ich kann bei menschen und tieren riechen, ob der tod bald kommt und selbst auf große entfernung hin letzte atemzüge spüren. ich esse gern schokolade, vergesse aber meistens, mir welche zu kaufen. in der grundschule war ich bei mitschülern als klugscheißer unbeliebt, heute sagt man hochbegabt dazu. ich habe ungern mit anderen kindern gespielt, dafür umso lieber entdecker. in 34 jahren bin ich rund 20 mal umgezogen. ich bin deutsche, obwohl kaum jemand aus meiner herkunftsfamilie wirklich aus deutschland stammt. ich habe angst vor jeder art von glas und esse derzeit trotzdem von glastellern. wenn ich etwas schneide, egal, ob mit schere oder messer, beiße ich immer ganz fest die zähne zusammen.

ich hatte früher angst vor spinnen, vor dem mond, vor gewitter. ich liebe sturm und starke windböen, aber wenn ich dabei draußen bin, versagt mein gleichgewichtssinn, mir wird schlecht und ich falle manchmal hin. ich habe kein nutella im haus und trinke keinen kaffee mehr. früher habe ich stein auf bein auf klassische literatur geschworen, heute kann ich das ego-gewichse auf irgendwelche toten oder lebendigen autoren nicht mehr nachvollziehen. wenn ich die treppe runterfalle, lache ich, statt zu weinen, selbst wenn es weh tut. ich hatte noch nie etwas gebrochen. ich war noch niemals in new york, aber ich habe in paris gelebt und gearbeitet. ich nehme die arschigkeit anderer menschen nicht immer so gelassen, wie ich könnte. ich habe laut vieler anderer menschen eine stimme, mit der ich millionen bei einer erotik-hotline verdienen könnte. ich war als kind viel zu dünn und nun bin ich zu dick. ich bin ein landkind und habe erst jetzt meinen frieden mit berlin gemacht. ich habe einige jahre lang kaum meine wohnung verlassen und andere menschen gesehen.

ich kann keine noten lesen, egal, wie oft ich versucht habe, das zu lernen. ich lerne sprachen nicht mehr so gut wie früher. wenn eines der vielen familien geheimnisse stimmt, bin ich jüdin. ich war im schützenverein und habe nur ins schwarze getroffen. ich bin wieder ausgetreten, weil ich wusste, dass ich fähig bin, einen menschen zu töten und keine methode lernen wollte, das garantiert hinzubekommen. aus demselben grund bin ich nicht zur polizeischule gegangen, obwohl die mich angeworben haben. ich bin unter umständen die enkelin eines geheimagenten. ich habe keine lust mehr, herauszufinden, ob das stimmt. ich hatte mal das angebot, die geliebte einer reichen frau zu sein, inklusive eigentumswohnung für mich allein, lebensunterhalt, zeit zum schreiben, auto – und verpflichtung zum sex. ich habe das angebot abgelehnt. ich habe für den führerschein gearbeitet und von dem geld eine spiegelreflexkamera gekauft und allein eine reise in die bretagne gemacht. ich weiß oft nicht, welchen tag, welchen monat und manchmal auch nicht, welches jahr wir haben, weil mich so etwas nicht interessiert. ich schaue seit fukushima bewusst keine nachrichten mehr und lese auch selten welche. ich weiß trotzdem, was in der welt geschieht.

ich hatte schon immer viel phantasie, aber über das, was wirklich zu hause geschah, sprach ich nie. die spanne meiner hände ist etwas zu kurz zum klavierspielen. meine füße haben den spann einer primbaballerina. ich habe nie ballettunterricht gehabt, hätte aber gerne. ich habe vor kurzem fast alles zerstört, was ich vor 2002 geschrieben habe und das war viel. ich habe als kind jede woche mindestens 1000 buchseiten gelesen. ich konnte viele jahre überhaupt keine zeile mehr lesen. ich weiß aus eigener erfahrung, was es bedeutet, gefoltert zu werden. ich bin dem tod so oft von der schippe gesprungen, dass ich aufgehört habe, zu zählen. ich wollte mich selbst drei mal halbherzig umbringen. ich liebe das leben mehr als alles andere auf der welt. ich finde nicht, dass menschen eine pflicht zu leben haben. ich finde gut, wenn man den freitod als option einbezieht, weil man sich dann bewusst dagegen entscheiden kann. ich mag nicht, wenn menschen sich ausruhen auf dem scheußlichen, was sie erlebt haben. ich weiß, dass das für eine weile wichtig sein kann. ich mag menschen, die ihr leben in eigenverantwortung leben und manchmal auch die, die glauben, sie täten das. ich kann furchtbar weich und zärtlich und auch furchtbar ungerecht und zornig sein. ich nehme keine psychospharmaka mehr, seitdem man über 30 dieser medikamente an mir ausprobiert hat. ich war schon mal in 5-punkt-fixierung auf der geschlossenen.

ich habe als kind knöpfe gesammelt und glanzbilder. meine große liebe sind steine, ungefähr, seitdem ich laufen kann. ich mag meer und berge, katzen und hunde. ich passe gut in eine pferde-, aber nicht in eine menschenherde. ich bin noch nie länger als drei stunden geflogen und das auch nur, weil wir wegen der vereisten landebahn nicht landen durften. ich habe überhaupt noch nicht viel von der welt, aber viel vom leben gesehen. ich kann gut zuhören, aber ich muss das wollen. ich vergesse immer mehr. es heißt, das liegt an meinen krankheiten, aber ich glaube, ich verlerne, wie menschen funktionieren. ich liebe sprache und verfluche sie. ich sage nicht nur, dass ich gerne schweige, ich mache das die meiste zeit in meinem leben auch. ich mag mit manchen menschen sehr gern und auch lang reden.

ich kann meine daumen an die innenseite meiner unterarme führen. ich tanze allein in meiner wohnung. ich hatte als kind mal krätze. ich schwimme nicht in gewässern, in denen ich keinen grund sehen kann, außer mit einem bestimmten menschen. ich drücke nur an den pickeln nicht rum, die ich nicht sehe oder bemerke. ich finde sauren schweiß bei mir und anderen schlimm und püpse bei mir und anderen oft nicht. wenn mir fremde menschen rülpsen, bekomme ich einen würgereflex. ich lasse mich nicht gern von fremden menschen anfassen und gehe darum kaum zu ärzten oder anschlussbehandlungen. ich lasse mich gern von menschen anfassen, denen ich vertraue und ich berühre sie dann selbst unsagbar gern. ich finde den menschlichen körperbau an sich seltsam. ich finde menschen trotzdem oft schön, weil sie so eigenartige, verletzliche wesen sind. ich mag nicht, wenn menschen nach bier stinken. es gibt genau ein paar füße, an deren zehen ich gerne mal lutschen möchte, ansonsten finde ich befremdlich, dass menschen anderen an den zehen lutschen. der mensch zu diesem paar füße weiß das noch gar nicht. ich schminke mich nicht, weil ich schon als teenager das gefühl hatte, ich kann dann nicht mehr atmen. trotzdem lackiere ich mir manchmal die fußnägel. ich zensiere hier nicht und kenne mich doch so gut, dass ich weiß, ich schreibe hier auch unbewusst garantiert nur dinge auf, mit denen man mich nicht verletzen kann. ich habe trotzdem keine angst davor, verletzt zu werden. ich habe auch immer weniger angst, andere zu verletzen. ich mag nicht, wenn menschen sich aus sadistischer freude gegenseitig verletzen. ich trage nie stöckelschuhe. ich liebe barfußgehen. ich liebe die schweiz. meine langen wimpern sind im lauf der letzten jahre kürzer geworden.

ich habe als baby mit in einem korb welpen gelegen und träume noch heute davon, in einem hundekorb zu schlafen, der groß genug für mich ist. ich habe seit 17 jahren extreme schlafstörungen und keine lust, ein ratgeberbuch zu dem thema zu schreiben, was ich könnte. ich konnte früher als andere kinder laufen und noch früher sprechen. ich habe sommersprossen auf den lippen, die auch im winter nicht verblassen. ich kenne meines wissens nach nur einen anderen menschen mit sommersprossen auf den lippen. mit diesem menschen bin ich nicht verwandt. ich habe eine einzige plombe und die ist seit 22 jahren dieselbe. früher habe ich mich viel ver-liebt, heute brauche ich das nicht mehr. ich reduziere seit jahren meinen besitz und genieße, immer weniger davon zu haben. ich dachte immer, ich könnte fast alle meine geliebten je 2.500 bücher und steine niemals spenden und verschenken. ich habe falsch gedacht. ich finde es immer weniger interessant, was menschen alles tun, um von sich abzulenken und sich und anderen in die tasche zu lügen. ich habe für meinen geschmack zu oft den drang, anderen unbequeme dinge zu sagen. ich habe mich das früher nie getraut, weil ich liebgehabt werden wollte. ich stoße menschen vor den kopf, weil ich es nicht immer schaffe, für mich zu behalten, wie sehr sie mir auf den sack gehen. ich mag menschen, die kritik vertragen. und menschen, die ein lob vertragen. und solche, die aufrichtig lernen, beides zu vertragen.

ich war mal feministin und das harmloseste, was ich dazu sagen kann, ist, dass ich keine lust mehr habe, zu gendern. ich könnte trotzdem jedem kerl die eier abreißen, der frauen mies behandelt. ich möchte überhaupt gern manchmal menschen die eier abreißen, die andere menschen mies behandeln. meine analytikerin wollte mal von mir wissen, ob ich transsexuell bin. ich habe einer klassenkameradin aus der grundschule eine 1×2 cm aluplatte mit der jungfrau maria drauf geklaut, bin nie erwischt worden und habe nie wieder geklaut. ich bin in der mündlichen mathe-abiturprüfung in ohnmacht gefallen. ich bin in meinem leben genau 3x in ohnmacht gefallen. ich habe bis vor vier monaten 13 jahre lang geraucht und ich habe nicht eine zigarette geraucht, weil sie mir geschmeckt hätte. ich habe schon als kleines kind viele schlimme unfälle gesehen, weil mein erzeuger oft ersthelfer war. ich habe wirklich als kind geglaubt, dass engel in den fabrikschloten wohnen und ich glaube das auch heute noch. ich habe einen reiskocher geschenkt bekommen und auch wenn es einer der günstigen ist, bei denen es am boden anbrennt, ist es für mich das tollste technische gerät, das ich je besessen habe.

ich war nie fan, außer bei catherine deneuve. ich bin mal für einen 90-minuten-kinofilm mit ihr, der in deutschland nicht lief,  sechs stunden mit dem reisebus hin nach paris und sechs stunden mit dem reisebus zurückgefahren. ich schwärme gern, aber nur um des schwärmens willen. ich hätte gerne steppen gelernt. ich hätte als kind schon verstehen können, dass ich bisexuell und polyamor bin. mein zuhause war nicht bei meinen eltern, sondern in der schule. ich wollte seit ich 5 war, immer nur lernen und schreiben und wie es aussieht, mache ich auch heute noch genau das. ich mache immer doppelknoten, wenn ich mir die schuhe binde. ich bin aus der kirche ausgetreten. ich finde gedanken, die ich mir seit der kindheit mache, im zen wieder, bin aber nicht das, was man praktizierende buddhistin nennen könnte. ich bin allergisch gegen jede form von gruppen und gruppierungen. ich habe das oft versucht und kann doch nie darin bleiben. ich wäre trotzdem beinahe mitglied bei den piraten geworden und bin froh, dass es nie dazu kam. ich bin überhaupt sehr gern allein. ich weiß immer weniger, was menschen meinen, wenn sie sagen, dass sie sich einsam fühlen. ich habe mich lange davor gedrückt, mich selbst zu retten. ich wusste schon als kind, dass die welt nur eine bühne und wir menschen nur die schauspieler sind, da hatte ich von shakespeare noch nichts gehört.

ich mag anis und fenchel, aber von kümmel könnte ich brechen. ich finde brechen müssen und ohrenschmerzen das schlimmste überhaupt. ich könnte niemanden küssen, der nach patchouli riecht. ich habe ein mal gekokst. vom kiffen wurde mir nur übel und ich finde, gras stinkt zum erbarmen. ich trinke selten alkohol. ich war erst zwei mal in der oper und ein mal im theater, obwohl ich das liebte. ich habe die großen brüste meiner oma geerbt, obwohl ich sehr gefleht habe, dass das bitte nicht passieren möge. alle frauen in meiner herkunftsfamilie haben einen krummen rechten mittelfinger und ich bin keine ausnahme. ich bin ingwer und mango verfallen. ich kann beim standardtanz führen und folgen. ich war mal in einen lehrer verliebt und habe ihm das auch gestanden und dafür eine fünf auf dem zeugnis bekommen und deswegen beinahe keine abizulassung. ich sollte berühmt werden. ich wollte den ersten doktortitel in der familie mit heimbringen. ich habe aus anderen gründen keinerlei kontakt mehr zu meiner gesamten herkunftsfamilie. ich bin dreifache tante und zweifache stieftante. ich finde schade, keine meiner fünf nichten aufwachsen zu sehen und trotzdem ist es in ordnung so, wie es ist. ich habe keine heimat außer in mir selbst.

ich habe schon mal weihnachten ganz alleine gefeiert, ohne das schlimm zu finden und es mir sogar wunderschön gemacht. ich habe meinen studienplatz nie angetreten. ich hätte eh viel lieber judaistik studiert. ich hatte früher angst vor der fremdheit der asiatischen kultur. heute würde ich liebend gern südostasien erforschen. ich war noch nie weiter weg als in der bretagne. ich habe neben den psychischen macken und körperlichen schmerzerkrankungen die weißfleckenkrankheit, die michael jackson hatte, in leichter form und an stellen, die ich den wenigsten menschen verrate. mein vater ist dunkelhäutig und ich wäre das auch gern gewesen statt so blass. heute ist es mir egal. ich singe gern, aber selten. ich würde gern mal um den baikalsee wandern und auf bali mensch sein und die seele baumeln lassen. ich verstehe die menschen nicht und verlerne ihre sprache, aber ich finde das nicht mehr schlimm. ich weiß nicht, wieso ich trotzdem versuche, ein buch zu schreiben und ahne, es wird nicht so ein buch, wie ich zunächst dachte. ich schmuse gern mit äckern und menschen, die ich mag. ich küsse gern. ich schmuse und küsse weniger, als ich mag. ich tue mir deswegen nicht leid.

ich wollte mal photographin werden, aber auch buchhalterin. ich bin stattdessen beinahe heilerziehungspflegerin und fachinformatikerin geworden. ich habe mal vorhergesehen, dass gleich eine sehr schwere asphaltplatte auf meine begleitung stürzen würde und ihr das gesagt, während ich sie vom straßenrand fortzog. ich habe ihr das leben gerettet und dem mädchen mit dem blinddarmdurchbruch im ferienlager auch. ich stand mal auf einem schneefeld in der schweiz und hinter mir ging schon mal eine lawine runter. ich mag am liebsten schwarze kleidung, trage aber oft trotzdem bunt, weil ich viel geschenkt bekomme, weil ich von alg-II lebe und mir nicht immer das kaufen kann, was ich gerne möchte. ich habe trotzdem alles, was ich brauche und alles, was ich habe, schätze ich wert. ich gelte für die arbeitsagentur für arbeit als behindert und bin arbeitsunfähig. ich schreibe trotzdem an einem buch, so gut ich kann und wenn die worte es mir erlauben. ich lebe jeden tag mit schmerzen und mit großer freude. ich wünsche mir zum schreiben ein macbook air, ohne ein apple fangirl zu sein, weil es als einziges gerät all das vereint, was ich von meinen körperlichen einschränkungen brauche. ich habe zuversicht, dass ich irgendwann auf einem macbook air tippen werde, das meines sein wird. es wird mich begleiten als eines der wenigen dinge, die ich noch gerne brauche und wird mit den anderen wenigen dingen in einem rucksack wohnen. ich wäre beinahe mal nach afrika gezogen. manchmal denke ich, ich bin zu alt und menschenfremd, um noch nomadin zu werden. manchmal denke ich, vielleicht war ich einfach noch nicht alt genug bisher.

ich mag, wenn menschen zärtlich miteinander umgehen in wort und tat. ich bekomme gänsehaut am kopf, wenn menschen schöne stimmen haben. und gänsehaut am ganzen körper, wenn sie damit in mir fremden sprachen sprechen. ich mag, wenn menschen sich zeit nehmen, wenn sie mit mir essen. ich esse langsamer als jeder mensch, dem ich bis jetzt begegnet bin. ich kann rosa nicht ausstehen und habe aber in der umschulung zur fachinformatikerin erst meine rosa phase gehabt. ich war damals die einzige frau in einer klasse von rund 30 männern. ich weiß seitdem, was mobbing ist. ich habe schon viele verschiedene berufe ausgeübt, aber nie länger als ein jahr arbeiten können, bis meine gesundheit nicht mehr mitgemacht hat. ich habe sehr viel gnade in meinem leben erfahren. von meinen möbeln ist alles geschenkt, nur der bettrahmen ist selbstgekauft und der hat nur 25 euro gekostet. wenn ich mal etwas verdient habe, habe ich mir auch dinge geleistet, die zum luxus zählen. ich habe schulden und zahle sie trotz alg-II ab, weil ich keine privatinsolvenz möchte. ich habe menschen kennen gelernt, die mir einfach so geholfen haben und menschen, denen ich einfach so geholfen habe. ich habe gelernt, zu vertrauen, so gut ich das kann. ich bin dankbar für jeden horror, den ich erlebt habe. ich bin ebenso dankbar für jedes schöne, das ich erlebt habe.

psychologen sagen, ich bin eine multiple persönlichkeit, früher war mir wichtig, benennen zu können. heute will ich den verdacht auf asperger-autismus nicht mal mehr diagnostizieren lassen. manche halten für mich schlau, andere für faul, manche für bemitleidenswert, andere für stark, wieder andere für stur. manche sehen in mir eine art lehrerin für ihren eigenen spirituellen weg, obwohl mir das zuwider ist. überhaupt kenne so gut wie keinen menschen, der mich sieht, als das, was ich wirklich bin:

ich bin nichts von dem, was hier steht. das hier sind alles bloß blitzlichtmomente meiner diversen rollen als mensch. das ist weder die wirklichkeit noch die wahrheit. aber wie bei jedem menschen spielt das, was ich zu sein scheint, seine rollen als mensch brillant.

ich erfand eine utopie, die ich special friendship nenne und etwas ist, mit dem menschen nicht solche wracks aus sich machen wie in liebesbeziehungen, wie wir sie kennen. ich habe diese utopie bestimmt nicht als erster mensch erfunden. ich habe die erfahrung gemacht, dass es nur ganz wenige menschen gibt, die erwachsen genug sind, wach zu lieben und zu leben. ich habe die erfahrung gemacht, dass so ziemlich jeder mensch widerspricht, wenn ich das sage, weil jeder gern glaubt, wach und erwachsen zu sein. ich war selbst zu lange zu ängstlich dafür. jetzt lebe ich so, ich lebe gern so und ich habe nichts dagegen, wenn das universum mich nicht noch mal für eine klassische liebesgeschichte oder anderes klassisches funktionieren einteilt. es ist mir egal, ob man mich für arrogant hält oder glaubt, ich hätte nicht mehr alle tassen im schrank oder das leben nicht kapiert. ich verstehe in der tat immer weniger von allem, weiß immer weniger. ich spüre dafür immer mehr.

wenn ich heute sterben müsste, würde ich nichts anders machen. ich würde nicht wie bekloppt herumtelephonieren und allen sagen, dass ich sie liebe. die menschen, die ich liebe, wissen im sinne von spüren das. es gibt keinen menschen, der mir am wichtigsten von allen ist. es gibt trotzdem menschen, für die ich mein leben geben würde, wenn das universum das will. ich finde, das universum weiß stets am besten, was im lauf der dinge jetzt dran ist und deswegen mache ich mir immer weniger gedanken um das, was war, was ist und was sein wird. ich bin mit dem wissen auf die welt gekommen, dass alles, was geschieht, in vollkommenheit geschieht und alles, was nicht geschieht, in vollkommenheit nicht geschieht. kein glaube, kein mensch, keine überzeugung hat dieses wissen mir austreiben können. ich selbst habe 30 jahre lang versucht, mir dieses urwissen als falsch und lüge einzureden. doch keinem menschen, keiner situation in meinem leben ist es gelungen, mir diese wahrheit zu nehmen. dafür bin ich unendlich dankbar. ich lerne, damit zu leben, dass sich nicht jeder an dieses urwissen erinnert und das der traum zur ordnung allen seins gehört wie atmen zum menschen. ich habe nicht noch mal gelesen, was ich hier geschrieben habe, bevor ich jetzt gleich auf „veröffentlichen“ klicke.

ich bin nichts von dem, was hier steht. ich bin nichts von dem, was ihr gerne oder ungerne in mir seht, sehen wollt. da ist kein ich, das diesen text geschrieben hat. da ist kein ich, das ist, was scheint. da ist kein ich. da ist nur: bin.

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the discipline of do easy

the discipline of do easy

vulkansuppe

wirft mich das leben aus dem takt, helfen mir harte beats, wummernde basslines und ein minimaler klangteppich. das scheint manchmal das einzige zu sein, auf das ich mich noch fokussieren kann. und wenn ich meinen geist fokussieren kann, stoppe ich meinen widerstand gegen das, was ist. die gedankenmaschine verwandelt sich in vulkansuppe, ich lasse alles einfach vor sich hinblubbern und mag nicht dabei gestört werden. ich habe zu tun, rhythmuswechsel zu beobachten und an welcher stelle die bässe meinen körper vibrieren lassen und wo in mir die klänge sirren.

die reduktion auf wesentliches öffnet räume und fordert mich ganz anders heraus. begebe ich mich in diese minimalistisch eingerichteten, elektronischen räume, merke ich immer wieder, dass es mich mut kostet, dazubleiben, nicht auszuweichen. ich erforsche dann nicht, wieso, das wäre schon wieder ablenkung. es ist aufgabe genug, zuzulassen, was ich spüre und das sieht auch wieder ganz anders aus, wenn ich dazu tanze oder sitze oder liege.

doiicie

manchmal  ergibt eins das andere und ein musikprojekt oder eins seiner stücke tut es mir besonders an. dann fokussiere ich nicht nur, sondern will genauer wissen, mit was ich es da zu tun habe. über den musiktipp einer freundin landete ich auf youtube und ließ mich dort von stück zu stück treiben. immer dahin, wo der klickfinger zuckt. dabei stieß ich auf das musikprojekt minilogue, das ich mehr und mehr schätze. in ihrem stück „doiicie b“ von 2008 erzählt eine stimme etwas über die disziplin des einfachen tuns. klang für mich ein bisschen nach einem ausschnitt aus einem film mit alan watts, in dem er der westlichen welt zen nahezubringen versucht.

ich recherchierte und bin wieder mal verblüfft, wie eines zum anderen führt und an welcher stelle ich dann ins spiel komme. mein tipp war falsch, aber nicht ganz daneben. der stimmenlayer für „doiicie b“ stammt aus gus van sants kurzfilm „the discipline of de“ von 1982, den ich hinreißend finde, völlig absurd und nicht absurd zugleich. und der kurzfilm wiederum beruft sich auf die 1973 erschienene kurzgeschichte „the discipline of de“ von william s. burroughs. wo der wiederum seine inspiration dafür nahm, verrät einer der protagonisten, der colonel, im text selbst, da war es nicht mehr wichtig, die linie weiter zurück zu verfolgen.

release the tiller

interessant war für mich, dass die botschaft nun mich gefunden hatte. zuerst begegnete mir in einem buch der satz „release the tiller.“, in william s. burroughs geschichte heißt es etwas detaillierter: „de is a way of doing everything you do. de simply means doing whatever you do in the easiest most relaxed way you can manage which ist also the quickest and most efficient way, as you will find as you advance in de.“

ich habe nicht einfach bloß über einen menschen ein buch gefunden und ein musikstück, das mich zu einem netten film und einer interessanten kurzgeschichte geführt hat. was ich daraus mitnehme, sind andere dinge. wenn ich  wage, die ruderpinne loszulassen, wenn ich wage, mir einzugestehen, dass ich keine kontrolle haben kann, dann teilt mir das universum mit, wie ich üben kann, meinen widerstand immer weiter loszulassen und auf leichte und natürliche weise mit dem zu fließen, was ist. dann sagt es mir, dass ich alle werkzeuge schon in der hand halte.

wenn ich das universum in voller verzweiflung anbrülle, dass es gefälligst endlich klartext mit mir reden soll, dann tut es das auch. dann bringt es dafür einen menschen näher in mein leben, die mitfließen kann und deren impulse in mir alles explodieren lassen, was ich bis dahin zwar nicht mehr für gesichert, aber noch für hinzunehmen hielt. den spruch „be careful what you wish for, because you might get it“, fand ich immer ‚irgendwie gut‘. jetzt nehme ich ihn lieber ernst.

it’s a wider shade of pattern

plötzlich ahne ich nicht nur, sondern sehe ich mehr von der patchworkdecke, nicht mehr nur den flicken direkt um mich herum. als kleines kind schon habe ich das universum wiederholt und inbrünstig um noch etwas anderes gebeten und ich habe den leisen verdacht, es hat gerade damit begonnen, mir die erfüllung meines flehens um die ohren zu hauen. vielleicht wird das auch nur der größte selbstbeschiss, den ich mir vorstellen kann und göttin maya macht sich gerade schon popcorn für die nächste runde.

vielleicht ist es aber auch das, was ich sehe, das es scheint, zu sein. ich ahne nur, dass es kein zurück gibt, denn unwiderlegbar ist, all meine versuche, da drum herumzukommen, bringen mich seit 30 jahren an den immer selben punkt in wechselnder verkleidung. die frage ist, wie lange ich noch auf der bremse stehen will, während ich trotzdem unaufhaltsam wie jeder mensch stück für stück auf das zuschliddere, was mich erwartet.

further

was ich hier recht nüchtern aufschreiben kann, spielt sich kein bisschen so nüchtern in mir ab, aber das ist hier nicht wichtig. ich bin gespannt, wie sich das weiter zeigen wird. werde ich mehr von der flickendecke zu sehen bekommen? vielleicht geht es in diesem leben für mich ja alleine darum, auszuprobieren, wie es ist, derart auf der bremse zu stehen. nicht schön, aber wäre dann eben so. vielleicht geht es darum, zu erfahren, wie es ist, daraus auszubrechen, das ruder loslassen zu üben und mich ohne widerstand vom natürlichen fluss des seins leiten zu lassen. und irgendetwas in mir sagt, womöglich geht es noch: weiter.

an mein kind

da ist ein himmel im meer
mit segeln und fremdem land
und einem kleinen boot

da ist ein wunder im kleinen boot
mit wellen und segeln
und freundlich ist das meer

da ist ein apfelkern im baum
mit wellen und wolken
und der baum ist teil eines wunders

da ist ein wunder im apfelkern
mit knospen und blüten
und die segel sind gesetzt

da ist ein sturm im meer
mit glück nur ein sturm
und ein boot schaukelt im baum

da ist ein apfelkern im boot
mit sturm und wind
und wellen brechen bäume

da ist ein baum im meer
da nimmt ein himmel das boot
mit einem apfelkern darin

da ist ein meer im himmel
mit wellen und felsen
und einem kleinen boot

da ist ein himmel im meer
ein glück verweht darin
und bleibt mir doch

anmerkung:
nichts geschieht ohne grund. derzeit gibt es wieder den #frapalymo (frau paulchens lyrikmonat) auf twitter, den @fraupaulchen iniitiert hat. jeden tag gibt sie an alle interessierten einen impuls, zu dem assoziiert und gedichtet wird. diese impulse findet sie auf verschiedene weise und der impuls für den heutigen tag stammte von mir.

@fraupaulchen wünschte sich, ich möge daran teilnehmen. ich fragte mich, wozu ich zu etwas assoziieren sollte, das ja schon eine assoziation zu etwas war. und außerdem fühlte ich mich so stumm.

dann sah ich, wie alles in bewegung geriet, so, wie immer alles in bewegung ist. ich lese berührt jedes gedicht hier und hier , das durch meinen tweet und mein photo angestoßen wurde. ich sehe, dass etwas bleibt von dem, was ging. und wo nie mehr worte möglich schienen in mir, sind worte gewachsen, zuerst als gedicht. ich danke @fraupaulchen, die nicht wissen konnte, was sie anstieß, dafür, dass sie einen weg aufgezeigt hat.

ich habe gerade zum zweiten mal im leben ein kind verloren. vor 12 jahren brauchte ich lange, um zu verstehen, wieso es gegangen ist. dieses mal war die botschaft sofort klar. nichts geschieht ohne grund. mein ja zu meinem kind bleibt ein ja zum leben. ich brauche nicht zu wissen, wie ich mit etwas umgehe, ich brauche nur damit umzugehen. meinem kind danke ich, dieser großen seele, die zur stippvisite kam, um mir etwas zu sagen.

mein weg ist nicht der, den ich mir manchmal wünsche. mein weg ist der, den ich zu gehen habe, weil ich nicht anders kann, weil es keine wahl gibt. meine beiden kinder haben mich darauf hingewiesen, welcher weg das ist. die frage ist nur noch, ob ich den mut habe, ihn zu gehen. aber das ist eine andere geschichte.

es ist nicht leicht, loszulassen. aber mein kind, mein apfelkern, zeigt mir wieder, dass etwas bleibt, auch wenn es geht. ich sehe keinen grund, zu verheimlichen, was gerade geschehen ist. es gehört zum leben dazu, wenn man nicht auf einer rosa wolke lebt. niemand braucht sich um mich zu sorgen, ich bin nicht allein mit dem, was eine doch allein durchmacht. mitleid brauche ich nicht. wer nichts zu sagen weiß, darf gerne schweigen. wer etwas sagen möchte, darf das gerne tun und bitte keine antwort erwarten.

wo geht das hin, das noch nicht war?

ich weiß es nicht. es war ja nie fort, es ist ja alles da. es ist ja alles gut. es ist, was es ist.

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