"… in das grenzenlose zu mir zurück" (else lasker-schüler)

an mein kind

da ist ein himmel im meer
mit segeln und fremdem land
und einem kleinen boot

da ist ein wunder im kleinen boot
mit wellen und segeln
und freundlich ist das meer

da ist ein apfelkern im baum
mit wellen und wolken
und der baum ist teil eines wunders

da ist ein wunder im apfelkern
mit knospen und blüten
und die segel sind gesetzt

da ist ein sturm im meer
mit glück nur ein sturm
und ein boot schaukelt im baum

da ist ein apfelkern im boot
mit sturm und wind
und wellen brechen bäume

da ist ein baum im meer
da nimmt ein himmel das boot
mit einem apfelkern darin

da ist ein meer im himmel
mit wellen und felsen
und einem kleinen boot

da ist ein himmel im meer
ein glück verweht darin
und bleibt mir doch

anmerkung:
nichts geschieht ohne grund. derzeit gibt es wieder den #frapalymo (frau paulchens lyrikmonat) auf twitter, den @fraupaulchen iniitiert hat. jeden tag gibt sie an alle interessierten einen impuls, zu dem assoziiert und gedichtet wird. diese impulse findet sie auf verschiedene weise und der impuls für den heutigen tag stammte von mir.

@fraupaulchen wünschte sich, ich möge daran teilnehmen. ich fragte mich, wozu ich zu etwas assoziieren sollte, das ja schon eine assoziation zu etwas war. und außerdem fühlte ich mich so stumm.

dann sah ich, wie alles in bewegung geriet, so, wie immer alles in bewegung ist. ich lese berührt jedes gedicht hier und hier , das durch meinen tweet und mein photo angestoßen wurde. ich sehe, dass etwas bleibt von dem, was ging. und wo nie mehr worte möglich schienen in mir, sind worte gewachsen, zuerst als gedicht. ich danke @fraupaulchen, die nicht wissen konnte, was sie anstieß, dafür, dass sie einen weg aufgezeigt hat.

ich habe gerade zum zweiten mal im leben ein kind verloren. vor 12 jahren brauchte ich lange, um zu verstehen, wieso es gegangen ist. dieses mal war die botschaft sofort klar. nichts geschieht ohne grund. mein ja zu meinem kind bleibt ein ja zum leben. ich brauche nicht zu wissen, wie ich mit etwas umgehe, ich brauche nur damit umzugehen. meinem kind danke ich, dieser großen seele, die zur stippvisite kam, um mir etwas zu sagen.

mein weg ist nicht der, den ich mir manchmal wünsche. mein weg ist der, den ich zu gehen habe, weil ich nicht anders kann, weil es keine wahl gibt. meine beiden kinder haben mich darauf hingewiesen, welcher weg das ist. die frage ist nur noch, ob ich den mut habe, ihn zu gehen. aber das ist eine andere geschichte.

es ist nicht leicht, loszulassen. aber mein kind, mein apfelkern, zeigt mir wieder, dass etwas bleibt, auch wenn es geht. ich sehe keinen grund, zu verheimlichen, was gerade geschehen ist. es gehört zum leben dazu, wenn man nicht auf einer rosa wolke lebt. niemand braucht sich um mich zu sorgen, ich bin nicht allein mit dem, was eine doch allein durchmacht. mitleid brauche ich nicht. wer nichts zu sagen weiß, darf gerne schweigen. wer etwas sagen möchte, darf das gerne tun und bitte keine antwort erwarten.

wo geht das hin, das noch nicht war?

ich weiß es nicht. es war ja nie fort, es ist ja alles da. es ist ja alles gut. es ist, was es ist.

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Kommentare zu: "an mein kind" (3)

  1. Ich glaube, erinnern oder loslassen, vergessen oder für immer behalten, das ist eine entscheidung.

    ein sehr berührender text, danke dafür.

  2. „Dinge geschehen nicht einfach so. Alles ergibt Sinn, wenn du es auf der Ebene von Mustern betrachtest, alles fließt ganz natürlich von dem, was war, zu dem, was kommt. Nie ist etwas nur Wahllosigkeit, Chaos oder Zufall.“ Du bist auf dem richtigen Weg. Hoffe ich für dich…

  3. danke euch.

    muster zu erkennen, ist eines. widerstand gegen die muster loszulassen, das andere. muster entfalten sich gegen alle widerstände, die auch teil des natürlichen ganzen sind. dank dieses paradoxes kann niemand auf dem nicht richtigen weg sein.

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