"… in das grenzenlose zu mir zurück" (else lasker-schüler)

Archiv für die Kategorie ‘persönlich’

wie das glück auf wanderschaft geht

update:
aus dem paketband-lostopf habe ich das kind gezogen, das bikerlaras tochter empfohlen hat. gerade eben ist eine mail an bikerlara rausgegangen und morgen geht das überraschungspaket auf die reise. möge es dem mädchen und vielleicht auch seinem bruder freude bringen dürfen.

euch, die ihr anteil nehmt und mit wachem herzen und achtsamen blickes durchs leben geht, danke für eure empfehlungen. möge euch und besonders auch „euren“ kindern, für die ihr pate gestanden habt, segen zuteil werden.
_/|\_ lilith
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ihr lieben,
eure unterstützung ist gefragt, denn glück ist ein wandergesell‘.

immer wieder wird mir segen vom universum zuteil und es sendet mir geschenke in form von menschen und auch dingen. wann immer ich in not bin, gibt es helfende hände.

vor ein paar tagen erst gab es das ersehnte badregal gebraucht und gratis über einen zettel im supermarkt und heute erreichte mich ein packerl aus der schweiz mit dem grundstock für einen tiefgehegten wunsch darin. ich habe gänsehaut und freudentränen ob dieser zärtlichen gesten des lebens.

und weil ich gern habe, dass alles fließt, gebe ich gern vom glück weiter, indem ich z. b. sachen verschenke, statt sie zu verkaufen.
jetzt kommt ihr ins spiel: die meisten dinge habe ich nun verschenkt, aber ich habe hier ein kleines, feines überraschungspaket für ein kind im alter von ca. 7-10. ein kind, das es, aus welchen gründen auch immer, dringend brauchen kann, außer der reihe beschenkt zu werden.

mein hütekind hat es in der hinsicht gut und da ich sonst kaum kinder kenne, frage ich euch: kennt ihr ein kind, das gerade dringend eine aufmunterung brauchen kann? ich würde ihm gerne eine überraschung machen.

dabei möchte ich nicht, dass ihr etwas über das kind bloßlegt, ich brauche gar nicht zu wissen, was die genauen nöte des kindes oder seiner familie sind, um zu entscheiden. ich vertraue euch, dass ihr mir nur kinder ans herz legt, die eine extra zuwendung auch wirklich brauchen können.

wenn ihr also ein kind wisst, für das ich überraschungsengel spielen darf, schreibt einfach einen kommentar, dass dem so ist. ich werde dann morgen abend um 20:00 per los entscheiden und mich wegen adressübermittlung dann umgehend per mail beim betreffenden kommentarschreiber melden.

mein packerl wird dann zwar erst nach weihnachten bei dem jeweiligen kind ankommen, aber manchmal fliegt das christkind eben noch mal eine extra-tour für ganz besondere kinder.

danke für eure unterstützung!

the discipline of do easy

the discipline of do easy

vulkansuppe

wirft mich das leben aus dem takt, helfen mir harte beats, wummernde basslines und ein minimaler klangteppich. das scheint manchmal das einzige zu sein, auf das ich mich noch fokussieren kann. und wenn ich meinen geist fokussieren kann, stoppe ich meinen widerstand gegen das, was ist. die gedankenmaschine verwandelt sich in vulkansuppe, ich lasse alles einfach vor sich hinblubbern und mag nicht dabei gestört werden. ich habe zu tun, rhythmuswechsel zu beobachten und an welcher stelle die bässe meinen körper vibrieren lassen und wo in mir die klänge sirren.

die reduktion auf wesentliches öffnet räume und fordert mich ganz anders heraus. begebe ich mich in diese minimalistisch eingerichteten, elektronischen räume, merke ich immer wieder, dass es mich mut kostet, dazubleiben, nicht auszuweichen. ich erforsche dann nicht, wieso, das wäre schon wieder ablenkung. es ist aufgabe genug, zuzulassen, was ich spüre und das sieht auch wieder ganz anders aus, wenn ich dazu tanze oder sitze oder liege.

doiicie

manchmal  ergibt eins das andere und ein musikprojekt oder eins seiner stücke tut es mir besonders an. dann fokussiere ich nicht nur, sondern will genauer wissen, mit was ich es da zu tun habe. über den musiktipp einer freundin landete ich auf youtube und ließ mich dort von stück zu stück treiben. immer dahin, wo der klickfinger zuckt. dabei stieß ich auf das musikprojekt minilogue, das ich mehr und mehr schätze. in ihrem stück „doiicie b“ von 2008 erzählt eine stimme etwas über die disziplin des einfachen tuns. klang für mich ein bisschen nach einem ausschnitt aus einem film mit alan watts, in dem er der westlichen welt zen nahezubringen versucht.

ich recherchierte und bin wieder mal verblüfft, wie eines zum anderen führt und an welcher stelle ich dann ins spiel komme. mein tipp war falsch, aber nicht ganz daneben. der stimmenlayer für „doiicie b“ stammt aus gus van sants kurzfilm „the discipline of de“ von 1982, den ich hinreißend finde, völlig absurd und nicht absurd zugleich. und der kurzfilm wiederum beruft sich auf die 1973 erschienene kurzgeschichte „the discipline of de“ von william s. burroughs. wo der wiederum seine inspiration dafür nahm, verrät einer der protagonisten, der colonel, im text selbst, da war es nicht mehr wichtig, die linie weiter zurück zu verfolgen.

release the tiller

interessant war für mich, dass die botschaft nun mich gefunden hatte. zuerst begegnete mir in einem buch der satz „release the tiller.“, in william s. burroughs geschichte heißt es etwas detaillierter: „de is a way of doing everything you do. de simply means doing whatever you do in the easiest most relaxed way you can manage which ist also the quickest and most efficient way, as you will find as you advance in de.“

ich habe nicht einfach bloß über einen menschen ein buch gefunden und ein musikstück, das mich zu einem netten film und einer interessanten kurzgeschichte geführt hat. was ich daraus mitnehme, sind andere dinge. wenn ich  wage, die ruderpinne loszulassen, wenn ich wage, mir einzugestehen, dass ich keine kontrolle haben kann, dann teilt mir das universum mit, wie ich üben kann, meinen widerstand immer weiter loszulassen und auf leichte und natürliche weise mit dem zu fließen, was ist. dann sagt es mir, dass ich alle werkzeuge schon in der hand halte.

wenn ich das universum in voller verzweiflung anbrülle, dass es gefälligst endlich klartext mit mir reden soll, dann tut es das auch. dann bringt es dafür einen menschen näher in mein leben, die mitfließen kann und deren impulse in mir alles explodieren lassen, was ich bis dahin zwar nicht mehr für gesichert, aber noch für hinzunehmen hielt. den spruch „be careful what you wish for, because you might get it“, fand ich immer ‚irgendwie gut‘. jetzt nehme ich ihn lieber ernst.

it’s a wider shade of pattern

plötzlich ahne ich nicht nur, sondern sehe ich mehr von der patchworkdecke, nicht mehr nur den flicken direkt um mich herum. als kleines kind schon habe ich das universum wiederholt und inbrünstig um noch etwas anderes gebeten und ich habe den leisen verdacht, es hat gerade damit begonnen, mir die erfüllung meines flehens um die ohren zu hauen. vielleicht wird das auch nur der größte selbstbeschiss, den ich mir vorstellen kann und göttin maya macht sich gerade schon popcorn für die nächste runde.

vielleicht ist es aber auch das, was ich sehe, das es scheint, zu sein. ich ahne nur, dass es kein zurück gibt, denn unwiderlegbar ist, all meine versuche, da drum herumzukommen, bringen mich seit 30 jahren an den immer selben punkt in wechselnder verkleidung. die frage ist, wie lange ich noch auf der bremse stehen will, während ich trotzdem unaufhaltsam wie jeder mensch stück für stück auf das zuschliddere, was mich erwartet.

further

was ich hier recht nüchtern aufschreiben kann, spielt sich kein bisschen so nüchtern in mir ab, aber das ist hier nicht wichtig. ich bin gespannt, wie sich das weiter zeigen wird. werde ich mehr von der flickendecke zu sehen bekommen? vielleicht geht es in diesem leben für mich ja alleine darum, auszuprobieren, wie es ist, derart auf der bremse zu stehen. nicht schön, aber wäre dann eben so. vielleicht geht es darum, zu erfahren, wie es ist, daraus auszubrechen, das ruder loslassen zu üben und mich ohne widerstand vom natürlichen fluss des seins leiten zu lassen. und irgendetwas in mir sagt, womöglich geht es noch: weiter.

an mein kind

da ist ein himmel im meer
mit segeln und fremdem land
und einem kleinen boot

da ist ein wunder im kleinen boot
mit wellen und segeln
und freundlich ist das meer

da ist ein apfelkern im baum
mit wellen und wolken
und der baum ist teil eines wunders

da ist ein wunder im apfelkern
mit knospen und blüten
und die segel sind gesetzt

da ist ein sturm im meer
mit glück nur ein sturm
und ein boot schaukelt im baum

da ist ein apfelkern im boot
mit sturm und wind
und wellen brechen bäume

da ist ein baum im meer
da nimmt ein himmel das boot
mit einem apfelkern darin

da ist ein meer im himmel
mit wellen und felsen
und einem kleinen boot

da ist ein himmel im meer
ein glück verweht darin
und bleibt mir doch

anmerkung:
nichts geschieht ohne grund. derzeit gibt es wieder den #frapalymo (frau paulchens lyrikmonat) auf twitter, den @fraupaulchen iniitiert hat. jeden tag gibt sie an alle interessierten einen impuls, zu dem assoziiert und gedichtet wird. diese impulse findet sie auf verschiedene weise und der impuls für den heutigen tag stammte von mir.

@fraupaulchen wünschte sich, ich möge daran teilnehmen. ich fragte mich, wozu ich zu etwas assoziieren sollte, das ja schon eine assoziation zu etwas war. und außerdem fühlte ich mich so stumm.

dann sah ich, wie alles in bewegung geriet, so, wie immer alles in bewegung ist. ich lese berührt jedes gedicht hier und hier , das durch meinen tweet und mein photo angestoßen wurde. ich sehe, dass etwas bleibt von dem, was ging. und wo nie mehr worte möglich schienen in mir, sind worte gewachsen, zuerst als gedicht. ich danke @fraupaulchen, die nicht wissen konnte, was sie anstieß, dafür, dass sie einen weg aufgezeigt hat.

ich habe gerade zum zweiten mal im leben ein kind verloren. vor 12 jahren brauchte ich lange, um zu verstehen, wieso es gegangen ist. dieses mal war die botschaft sofort klar. nichts geschieht ohne grund. mein ja zu meinem kind bleibt ein ja zum leben. ich brauche nicht zu wissen, wie ich mit etwas umgehe, ich brauche nur damit umzugehen. meinem kind danke ich, dieser großen seele, die zur stippvisite kam, um mir etwas zu sagen.

mein weg ist nicht der, den ich mir manchmal wünsche. mein weg ist der, den ich zu gehen habe, weil ich nicht anders kann, weil es keine wahl gibt. meine beiden kinder haben mich darauf hingewiesen, welcher weg das ist. die frage ist nur noch, ob ich den mut habe, ihn zu gehen. aber das ist eine andere geschichte.

es ist nicht leicht, loszulassen. aber mein kind, mein apfelkern, zeigt mir wieder, dass etwas bleibt, auch wenn es geht. ich sehe keinen grund, zu verheimlichen, was gerade geschehen ist. es gehört zum leben dazu, wenn man nicht auf einer rosa wolke lebt. niemand braucht sich um mich zu sorgen, ich bin nicht allein mit dem, was eine doch allein durchmacht. mitleid brauche ich nicht. wer nichts zu sagen weiß, darf gerne schweigen. wer etwas sagen möchte, darf das gerne tun und bitte keine antwort erwarten.

wo geht das hin, das noch nicht war?

ich weiß es nicht. es war ja nie fort, es ist ja alles da. es ist ja alles gut. es ist, was es ist.

mit 90 hat man noch träume

meine nennmama ist neuerdings viel allein. nach fast 60 jahren ehe ist sie das nicht gewohnt und die ganze familie versucht, ihr das umgewöhnen zu erleichtern. ihr mann, mein nennpapa, liegt mit ebenfalls 90 jahren im sterben und das ist nicht leicht für mama, damit umzugehen. sie bat mich nach einigen telephonaten, ob wir uns nicht abends gutenacht sagen könnten und seitdem rufe ich sie jeden abend an.

jetzt, wo der papa nicht mehr mit in der wohnung ist und sie keine rücksicht zu nehmen braucht auf sein ruhebedürfnis, geraten wir regelmäßig ins erzählen. ich übe, eine gute zuhörerin zu sein. auch wenn ich weiß, dass diese halben stunden nur ein tropfen sind auf mamas 24 stunden, die es gilt, sich im alleinsein nicht einsam vorzukommen, geschieht erstaunliches. die geschichten, die mama mir erzählt, die erzählt sie mir seit fünf jahren. und doch, jetzt, da sie frei sprechen kann, gewinnen sie an tiefe und klarheit. es sind oft lustige geschichten und obwohl das gerade eine zeit ist, in der der ganzen familie immer mal zum heulen ist, lachen wir. gemeinsam lachen zu können, vielleicht der größte schatz, wenn’s dunkelt.

habt ihr schon mal das lachen einer 90jährigen gehört? es steckt so unsagbar an und ist zugleich etwas, das ich behüten möchte, so fragil klingt es. ich habe jedes mal tränen in den augen, weil ich weiß, dass es viel mut braucht, in ihrer situation zu lachen und sich dem fluss des lebens hinzugeben. was weiß ich auch mit 34 schon davon, was es bedeutet, 90 und müde zu sein, weil das leben ein anstrengendes war? also höre ich zu und ich höre genau zu. diese geschichten sind wichtig für sie, und auch wenn ich mich davor hüte, geschichten allzu viel bedeutung beizumessen, respektiere ich, dass es für mama anders ist. diese geschichten waren ihr ein leben lang lichtblicke in dunklen stunden.

gestern abend erzählte sie die geschichte, wie sie in london als au pair mädchen in eine missliche lage im hyde park geriet, so bunt und angeregt, dass ich noch hellhöriger wurde als sonst. im anschluss sagte sie mir, dass sie nun ein notizbuch am fußende ihres bettes liegen habe, bis ihr jemand die große schreibmaschine wieder unterm bett hervorholt. ich bestärkte sie darin, das auch zu nutzen, als zeitvertreib und um sich zu erinnern. was mama dann ausbaldowern würde, das allerdings hätte ich mir nicht geträumt:

vorhin spürte ich mama förmlich funken durch die leitung sprühen. sie weiß, dass ich schriftstellerin bin. »ich hab gestern abend etwas ausgeheckt, schätzele«, sagte sie. »das hat mich aus meiner depression geholt gestern. weißt, ich war immer gut in deutsch und auch im zehnfingerschreiben. wenn die schreibmaschine wieder aufgebaut ist, dann mache ich notizen, die schicke ich dir.  die kannst du als vorlage haben für lustige geschichten. schreib ein bissel humorvoll und mach was draus. mein name tut nichts zur sache, kind, hauptsache, es kommt was zuckersüßes und lustiges dabei raus. und dass es anderen menschen freude macht beim lesen.« ich sage ihr, dass ich sie gerne unterstützen werde, aber möchte, dass ihr name drauf steht. sie fürchtet, für eitel gehalten zu werden, aber irgendwas sagt mir, ich solle darauf bestehen, dass es ihr buch ist. und mein bauch behält recht:

»weißt, ich bin schon auch müde. das ist mit 90 alles nicht mehr so einfach. aber ich habe noch träume, denke mal, mein kind. ich wollte immer schon mal etwas schreiben, aber du weißt ja, wie mein leben war. und da hab ich mir gestern abend gedacht, mit deiner hilfe, da könnten wir doch noch was hinkriegen.« »soso, das hast du dir also einfach so gedacht, mama?« »denke mal, ja. sowas hab i mir denkt!« und dann lacht sie dieses zarte und starke lachen einer 90jährigen. ich stimme ein und wir kichern und sind gar sehr vergnügt. »wir haben ja alle zeit der welt«, sagen wir uns und lachen noch wilder.  — ja, mama. meine unterstützung hast du. ich bin sicher, es kommt etwas zuckersüßes dabei raus und deine geschichten werden anderen freude machen beim lesen.

das mädchen mit dem strohhalm

heute ist premiere. auf dem spielplatz mit hütekind, als bezugsperson nummer 1. die anderen erwachsenen lassen mich nicht mitspielen. ich bin die neue, so viel ist mal klar. da ich eh schreiben will, bin ich eher froh darüber.

so einfach geht das allerdings nicht mit dem schreiben. hütekind klettert nämlich wie tarzan und mein herz schlägt wild, weil ich keine watte um sie packen kann. zwischendrin darf sie auch noch kurz das gelände verlassen und eigenständig eine schrippe kaufen gehen. was soll ich sagen, ich zähle die sekunden, bis sie wieder unversehrt bei mir ist. in gesellschaft von kindern lässt sich vertrauen ins leben ganz wunderbar üben, so viel ist mal auch klar.

auf dem spielplatz ist nicht so viel glockenhelles engelslachen zu hören, wie ich vermutet habe. in erster linie unterhalten sich diese kinder in einer lautstärke untereinander, die den lärm startender flugzeuge in den schatten stellt. dazwischen brüllen sie vor wut, wenn der eine nicht will, wie der andere. weil der eine hat, was der andere will,  weil die den kopfstand länger kann oder weil der andere der einen auf den zeh trat. kinder sind auch sehr geschickt darin, sich beim toben und fangenspielen ineinander zu verkeilen wie ein rudel katzenbabies in wollknäuel. alle paar minuten spätestens gibt es kindersirenengeheul und erwachsene, die irren blickes über den platz hetzen und versuchen, ihr kind unter den anderen rauszufischen. wie das sich für ein erstes mal gehört, bin auch ich fällig.

mein hütekind sei vom klettergerüst gefallen und habe sich ganz doll wehgetan, sagt mir seine spielfreundin. ihre unterlippe zittert und ich bin kurz vorm herzinfarkt. usain bolt kann einpacken, so schnell rase ich durch die luft. zeitgleich trete ich innerlich allen „was wäre, wenn“ vors schienbein und hoffe, dass nichts furchtbares geschehen ist. immerhin, ich höre sie nicht brüllen. wobei, ach du je, sie brüllt nicht, verflixt, das ist kein gutes zeichen, oder? unterm klettergerüst purzeln mir große kullertränen entgegen. ich bin nicht sicher, aber ich glaube, nur kinder bekommen das so hin, diese perlengleichen zartgebilde.

man reiche mir sofort ein schwert, ich haue diese welt in stücke, die es wagt, meinem hütekind wehzutun. ich weiß ja, weiß ja, dass sie jetzt in diesem augenblick wichtiges lernt in ihrem schmerz. und doch, keine göttin zürnte imposanter als ich gerade. in den arm nehmen, kullertränen küssen und mir die gefährliche herunterplumpsgeschichte aus hütekind- und hütekindfreundinsicht 5x anhören und anerkennend klarmachen, wie toll sie beide das scheitern gemeistert haben. ich stelle mich gar nicht mal so schlecht an als teilzeitmama, finde ich. jedenfalls ist die welt für uns alle drei nicht untergegangen, und das ist doch schon mal was.

wieder zurück an meinem warteplatz schreibe ich weiter. ein mädchen kommt näher, ein stück karton in der hand. sie ist vielleicht vier jahre alt und starrt mit offenem mund auf das, was ich tue. ihre augen schauen wie aus einer anderen welt, die ich gut kenne. sie merkt, dass ich sie beobachte. »was machst du da?«, sagt sie. »ich schreibe ein buch«, sage ich. da huscht ein begreifen durch das ganze kind, von zuinnerst nach außen nach zuinnerst und schleudert sich als leuchten in die welt. sie strahlt mich mit ihrem ganzen sein an, dann nickt sie mir zu. ihre nackten füße streunen weiter, als habe sie kein ziel, doch ihr blick erinnert etwas, sucht etwas. nicht weit von uns liegt ein strohhalm im sand. grün, wie mein bleistift. das mädchen hebt ihn auf, lehnt sich an die hecke und schaut zu mir herüber. ich lächle ihr zu und schreibe weiter. im augenwinkel sehe ich, wie sie es mir gleichtut. die art ihres leuchtens kommt mir vertraut vor.

bevor ich mein hütekind für den nachhauseweg einsammle, suche ich noch ein mal blickkontakt mit meiner jungen kollegin. ich weiß, dass auch sie eines tages ihr buch mit einem stift schreiben wird. die da vor mir stand, das bin ich vor genau 30 jahren. dieses kind hat erkannt, dass sie selbst das schaffen kann, was in büchern zu finden ist. das etwas aus ihr seinen weg in ein buch finden kann. vielleicht wird sie unsere begegnung ebensowenig vergessen, wie ich. als ich gehe, drehe ich mich nach ihr um. konzentriert gleitet ihr strohhalm über den karton.
wir schreiben beide unser erstes buch.

hurra, es ist ein märchen!

das eine

opa hat immer gesagt: »das eine sag‘ ich dir jetzt. und das andere sag‘ ich dir morgen.«
dann will ich mal. das eine sag‘ ich euch jetzt: ich habe den ersten satz meines buches geschrieben. das klingt vermutlich ähnlich bescheuert wie »ich habe eine wassermelone getragen.«, aber was soll’s. mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit wird er auch nicht der erste satz meines buches bleiben.

das ist alles nicht so wichtig. wichtig ist, dass ich etwas getan habe, vor dem ich mich seit der pubertät gedrückt hatte. ich habe viele texte geschrieben. die meisten davon gibt es nicht mehr, wie die kurzgeschichten oder das theaterstück, die herzschmerzgedichte. manche texte gibt es noch und das ausschließlich so, wie sie hier auf dem blog standen, in erster rohfassung. ein gedicht hat es sogar als begleitung in das wundervolle buch „suna“ von pia ziefle geschafft und da begann ich, zu verstehen.

immer, wenn ich „suna“ zur hand nehme und einen blick auf das gedicht werfe, geht es mir wie hier im blog oder auf twitter, wenn ihr mir rückmeldungen zusteckt. ich bekomme eine ahnung davon, dass in mir die gabe wohnt, menschen mit meinem schreiben berühren zu dürfen. immer wieder zweifle ich daran und immer wieder belehren mich meine leser eines besseren. doch egal, wie oft ich anläufe genommen hatte, mit einem buch zu beginnen, hielt ich mich selbst geschickt davon ab.

fußfesseln

gegebenheiten wie meine körperlichen erkrankungen und die rückenunfreundliche heimbüro-ausstattung nahm ich zum vorwand, um mich nicht an den schreibtisch setzen zu müssen, außer für einen kurzen blogeintrag oder twitter zwischendurch. eine arme, arbeitsunfähige kirchenmaus hat kein ultraleichtes laptop, (weil sie keine 3 kg tragen darf), mit ausreichend großem bildschirm und einer tastatur mit superdruckpunkt und dem geringstem tastaturgeklapper und dem garkeinlüftergeräusch, das sie überall hin mitnehmen kann. und wenn es all das nicht war, was störte, dann sang eben der musiker im haus zu laut oder hörte der nachbar zu laut hip-hop und selbstverständlich taten mir ohrstöpsel nach 10 minuten im ohr weh. meine herkunftsgeschichte im nacken und der zusatz, dass ich mit (tada, genau) schreiben berühmt werden sollte, waren auch prima ausflüchte.

vor kurzem hat mir jemand liebes einen kleinen satz gesagt oder auch zwei. und mir dämmerte etwas. es geht nicht darum, ob ich heute schon auf einem macbook air tippen kann oder dass mein schreibtischstuhl nicht gut für meinen rücken ist, geschweige denn meine matratze. sie machte mir klar, dass wenn ich schreiben will, ich mich auch kurz egal wo hinsetzen und mit der hand schreiben kann, bis die schmerzen in der hand oder in rücken und beinen zu groß werden. und wenn das dann so ist, höre ich halt auf und vertraue darauf, dass der stoff in meinem kopf bleibt und wächst und gedeiht, bis ich wieder kraft habe, weiterzuschreiben.

es ist ein segen, menschen kennen zu dürfen, die wagen, mir auch unbequemes zu sagen. endlich konnte ich nicht nur sehen, wie selbstmitleidig ich mich angestellt habe, sondern es auch lassen. ja, mag gut sein, ich habe es nicht so luxuriös wie andere mit gesundheit und schreibutensilien. mich jeden tag zu fragen, ob ich mir heute von meinem geld außer etwas zu essen auch noch anderes leisten darf, ist immer wieder kraftraubend, aber kein weltuntergang. dass ich es luxuriöser habe als die meisten menschen auf der welt und ärztliche versorgung, wenn ich sie brauche, ist genauso wahr. dass es immer helping hands in der not gab, die das schlimmste verhindert haben, wenn es gar zu eng wurde, ist so wahr wie ein segen, für den ich unendlich dankbar bin. dass ich ein dach überm kopf habe, unter dem ich schreiben kann, ist wahr. und dass zu vergleichen nichts als leid bringt, erst recht.

was wirklich zählt

kurz, ich hatte das vergessen, was zählt: meine phantasie und mein talent, das habe ich. das kann mir niemand nehmen. ein notizbuch, bleistifte und füller und immer mal einen moment kraft, um auch unter schmerzen am rechner zu sitzen, all das habe ich ja. wenn ich erst mal im schreibfluss bin und dazu stöpsel im ohr habe, dann jucken mich auch die außengeräusche nicht mehr. da bin ich dann irgendwo tief in mir, wo das keine rolle mehr spielt. ich kann mich entscheiden, mich nicht über störquellen aufzuregen. ich kann mich entscheiden, keinen mangel zu empfinden und mir mit meiner körperlichen verfassung nicht leid zu tun. so einfach ist das.

nachdem all diese fadenscheinigen gründe weggefallen waren, nicht zu schreiben, egal, wie groß der drang danach in mir auch sei, kam ich zum kern. ich hatte zu begreifen, dass ich eigenverantwortung habe und vor allem und zuerst mich selbst als verbündete brauche. es gibt eine stimme in mir, die leise, leise, sich gegen alle anderen stimmen in mir erhebt. eine stimme, die für mich einsteht und daran glaubt, dass ich etwas mitzuteilen habe. die mir sagt, ich werde worte finden, die fähig sind, zu transportieren, was mit worten nie zu fassen ist. diese stimme habe ich stets weitgehend ignoriert. habe ihr nur erlaubt, mich gedichte schreiben, twittern und bloggen zu lassen. immerhin, zum glück habe ich das.

wo worte versagen müssen

durch euch alle, die ihr mich lest, habe ich verstanden, dass ich menschen auch mit meinen worten berühre an dem ort, wo worte versagen müssen und dass ich nichts anderes möchte als genau das. es ist meine berufung und ich habe endlich den  mut, mich nicht mehr dagegen zu sperren. nicht jedem werde ich ein geschenk machen können mit meinen worten. aber darum geht es auch nicht. durch fachlichen austausch mit schriftstellerkolleginnen und -kollegen, habe ich zudem endlich orte, wo meine fragen und zweifel, mein schweiß und alle freude im schaffensprozess nicht nur angenommen, sondern mit mir fremden erfahrungen bereichert werden und umgekehrt. das hat mir jahrelang gefehlt und tut nun sagenhaft gut.

da ich manchmal noch dazu neige, den dingen zwar ihren lauf zu lassen, sie aber doch irgendwie einschätzen zu wollen, plante ich. ein kinderbuch sollte es werden. weil kinder baummenschen brauchen, die für sie einstehen. ich holte in einer umfrage vorschläge zu für kinder wichtigen themen ein. bekam ersten ansporn. leistete mir ein notizbuch mit feinem papier, wo mein buch drin wachsen wird, machte erste notizen – und versteckte mich dann wieder höchst produktiv auf twitter und im blog vor mir selbst. ich plante und plante, bis ich gestern mit einer schriftstellerkollegin ein feines gespräch über den stand der dinge führte, in dem sich einiges klärte. heute morgen hatte ich mit noch einer kollegin fachlichen austausch und im verlauf des gesprächs bekam ich in ihr eine erste mentorin für mich und mein buch.

das andere

es dämmerte mir: jetzt ist es ernst. die zeit des redenschwingens ist vorbei, jetzt ist die zeit, mein buch zu beginnen. genau das habe ich vorhin getan und mir zittern noch die hände vor aufregung. der erste schritt, mein märchen wahr werden zu lassen, ist getan. ich weiß nicht, wohin mich die reise führt. vielleicht werde ich euch hier teilhaben lassen oder in einer anderen form. vielleicht werde ich neben dem schreiben aber auch nur sehr selten auf twitter sein oder bloggen. möglich, ich könnte es aber auch als ausgleich brauchen, falls mir der schädel qualmt. ich habe keine ahnung. vielleicht wird es am ende nicht mal ein buch für kleine und große kinder, sondern ganz anders. was immer auch sein will, es wird sich mir zeigen. und ich gehe da jetzt einfach mit, ohne herumzustrampeln. ich weiß nur eines: es wird dieses buch geben. auch dank euch allen. eure unterstützung bedeutet mir unsagbar viel. (!)

wie auch immer, wann auch immer, wir lesen uns wieder, denn: das eine sag‘ ich euch jetzt. und das andere sag‘ ich euch morgen.

buddha in der stechmücke

buddha wohnt genauso in einer stechmücke wie in jedem von uns. niemand ist erleuchteter als ein anderer. ganz gleich, wie sehr wir uns danach sehnen, angeschaut zu werden, gelobt zu werden. egal, wie wir auch hoffen, nicht ignoriert zu werden oder dass jemand uns nicht an die angst verriete, sondern in liebe mit uns feierte.

was immer wir auch tun, um in anderer menschen gunst zu stehen, wie sehr wir flüchten vor ihrer zuneigung. wie traurig wir uns fühlen, wie wütend und zornig, wie verbohrt und ignorant und ekelpaketig und widerlich und abschaumig, wie ängstlich und spirituell und oberflächlich und billig und gutmenschlich, wie religiös, atheistisch und politisch und abgeklärt und alterhasig, wie nervig und dümmlich und grausam und zynisch und klogriffig und was weiß ich wir uns geben:

da sind keine ominösen anderen, mit denen wir nichts zu tun haben. niemand ist schlupp vom grünen stern, der durch einen ärgerlichen oder tollen zufall auf die erde und in eine horde menschen geraten ist. wir sind nur so lange außerirdisch, wie wir uns weigern, aus wachen augen zu träumen. sobald wir die illusion loslassen, dass diese welt, dieses leben, die menschen um uns herum eine egal wie geartete bringschuld uns gegenüber hätten, was bleibt dann übrig?

wir alle atmen liebe, pupsen liebe, leuchten vor liebe, machen liebe, sind liebe.

wirklich alle? – so ketzerisch es auch anmuten mag:
ja. das wir, das ich ausspreche, umfasst ausnahmslos alle menschen.
was immer sie auch tun, was immer sie auch lassen.

es ist, was es ist. seitdem ich das sehe, habe ich dieselbe gefühlspalette, dieselben emotionen wie vorher. spüre wie vorher. und doch ist alles anders, präziser, klarer. ich weiß nicht mehr, wer ich bin, wer du bist und du und du und du auch. wer wir sind und wer wir einander sind, wenn nicht liebe. ich weiß nicht mehr, wie wir anderes sein könnten als eins in all seinen bunten und unterschiedlichen ausdrucksformen.

wir können die welt welt sein lassen, wir brauchen kein tamtam, kein abgehobenes geschwafel. wir brauchen keinen ständigen glückskick, wir brauchen auch kein suhlen in angst. wir sind in der liebe. das ist, wie wenn der zeiger auf null steht und alle möglichen ausschläge in beide richtungen in sich vereint hat. da ist eine glückseligkeit, die jenseits von hormonen und botenstoffen bereit und dankbar ist, jedes gefühl, das hochkommt, zum ausdruck zu bringen. wir brauchen keine esoterischen verschwörungstheorien, keine maya- oder andere weltuntergänge. kein new age, keine religionsfanatiker und kein darben nach irgendeinem nichtirdischen paradies. keine jahre voll meditation, kein weltfremdeln, kein glauben an schuld und sühne. keine vermeintliche rettung in reiner vernunft und dem glauben an den götzen wissenschaft. aber all das können wir tun, wie wir es tun, gewiss.

wir sind frei darin, in welcher umgebung wir die augen öffnen. doch es bräuchte keinen hokuspokus um irgendwas, kein spezielles leben. nicht mal den austritt aus dem hamsterrad, niemand braucht zu gehen und nicht wiederzukehren. es braucht nur, die augen aufzumachen, immer wieder. das genügt. alles mag scheinen, wie zuvor, und zugleich sitzt kein stein mehr auf dem anderen. wir haben die freiheit, zu begreifen, dass wir nie anderes als frei sind. wir sind sogar so frei, dass wir die augen nicht aufzumachen brauchen. wir haben keine pflicht, irgendwas anderes als wir selbst zu sein: die universen sind vollgepfropft mit den wunderlichsten paradoxen und möglichkeiten und dualität ist aus.

ich bin nicht erleuchteter als du und du und du. du bist nicht erleuchteter als ihr und wir sind nicht erleuchteter als diese stechmücke oder ein stein oder ein stück holz oder das brot, das wir essen.

bin ich abgeschweift? kommt jetzt der schlusssatz? wie klingt das lachen des universums? wie laut ist stille? was bewirkt nichts?

was ist wach? was ist traum? wie viele realitäten werfen wir als imaginäre schleier über das, was ist? schmücken die menschen ihre münder schon mit kirschblüten aus? sagen wir uns womöglich längst in mangosprache das, was nicht sagbar ist? und überhaupt – wer bin ich?

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